29.08.2026 Dresden Rinne: Leftovers, The Stranglers, Gogol Bordello, Die Toten Hosen
Mein Kollege Thomas hat euch eine Zusammenfassung seines ersten Hosen Konzertes in Dresden geschrieben. Wir haben also ein „Auswärtsspiel“. Rein in den opel und ab gehts!
Die Toten Hosen in Dresden – Mein erstes Hosen-Konzert nach fast 40 Jahren Fan-Dasein
Am 29.08.2026 stand das Konzert der Toten Hosen in der Dresdner Rinne an – im Rahmen der „Trink aus, wir müssen gehen“-Tour. Das Konzert war restlos ausverkauft, 65.000 Tickets waren verkauft worden.
Obwohl ich schon seit Mitte/Ende der 80er ein großer Fan der Band bin, hatte ich es bis dato tatsächlich noch nie geschafft, ein Konzert der Hosen zu besuchen. Eigentlich sollte es bereits 2013 in Minden am Weserufer so weit sein. Eine ernsthafte Erkrankung machte mir damals allerdings einen Strich durch die Rechnung. Ein Freund namens „INQUISITOR“ nahm sich meines Tickets an und besuchte die Show für mich, damit es wenigstens nicht verfiel.
Nun also, mit fast 60 Lenzen, endlich mein erstes Hosen-Konzert.
Ich war natürlich gespannt, welcher Gast heute auf der Bühne auftauchen würde. Im Laufe der Tour hatten schließlich schon Bela B., Farin Urlaub und sogar die Legende Vicky Leandros mit den Jungs auf der Bühne gestanden.
Aufgrund behördlicher Auflagen musste das Konzert um 22 Uhr beendet sein. Deshalb war bereits um 14 Uhr Einlass, denn um 16:10 Uhr sollte die erste Vorband auf die Bühne.
Eine Absperrung für „Front of Stage“ gab es nicht, sodass wir uns tatsächlich ziemlich weit nach vorne durchkämpfen konnten.
Leftovers
Pünktlich um 16:10 Uhr legten Leftovers los. Ich weiß ehrlich gesagt nicht so genau, wie ich das beschreiben soll, was diese Truppe aus Wien da spielt. In meinen Augen könnte man es als Teenie-Skater-Punk mit kitschigen deutschen Texten bezeichnen.
Sorry, aber das war nicht wirklich meins. Muss ich nicht haben.
The Stranglers
Um 17 Uhr betraten The Stranglers die Bühne. Wenn man bedenkt, dass diese Truppe einst in den 70ern maßgeblich dazu beigetragen hat, die Punkbewegung in Großbritannien in Schwung zu bringen, kann man kaum glauben, was einem da heute präsentiert wurde, wenn man diese älteren, gesetzten Herren auf der Bühne sieht.
Mit Punk hatte das jedenfalls nicht mehr viel zu tun. Das war eher mittelmäßiger Brit-Pop.
Wenn das Punk war, dann ist Oasis eine Death-Metal-Band.
Gogol Bordello
Auch die letzte Vorband, „Gogol Bordello“, sagte mir im Vorfeld überhaupt nichts. Als die Truppe dann loslegte, war ich zunächst ziemlich irritiert.
Da stand ein Musiker an den Bongos, eine Frau am Sampling-Keyboard, die im Laufe des Gigs immer mal wieder zum Akkordeon wechselte, und ein Sänger, der abwechselnd Akustik- und E-Gitarre spielte und dabei wild über die Bühne sprang.
Dazu eine ständig wechselnde Musikerbesetzung und ein Stil-Mix, der irgendwo zwischen Punk, Funk, Metal, Latin und Jazz lag. Eigentlich war alles dabei.
Erst gegen Ende des Gigs erklärte der Sänger, dass es sich um eine echte Multikulti-Truppe handelt, deren Mitglieder unter anderem aus den USA, Brasilien, der Ukraine und dem Irak stammen.
Naja … wer’s mag.
Endlich: Die Hosen!
Pünktlich wie die Maurer starteten die Hosen um 19:35 Uhr.
Die Bühne war im Hintergrund in drei Bereiche aufgeteilt, die gleichzeitig als riesige Projektionsflächen dienten. Optisch war das wirklich sehr gut gemacht.
Das Intro erklang und die Musiker betraten die Bühne. Als dann „Opel-Gang“ angestimmt wurde, fragte ich mich allerdings tatsächlich kurz, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, mittig und ziemlich weit vorne zu stehen.
Die Leute eskalierten komplett. Es wurde gesprungen und gepogt wie die Wahnsinnigen. Ich hielt tatsächlich ungefähr 60 Minuten im Auge des Sturms durch. Dann wurde es allerdings Zeit, mich seitwärts in Sicherheit zu bringen.
Nachdem ich umgestoßen worden war, fünf Leute auf mir lagen und ich zwischenzeitlich Brille und Mütze verloren hatte, war dann doch der Zeitpunkt gekommen, mich etwas weiter nach links zu orientieren.
Es war ein wirklich wilder Moshpit. So etwas hatte ich tatsächlich noch nie erlebt.
Die Band musste mehrfach das Spielen unterbrechen, weil immer wieder Menschen am Boden lagen. Wie man weiß, ist 1997 beim 1000. Konzert der Band eine 16-Jährige ums Leben gekommen, nachdem genau eine solche Situation eskaliert war.
Deshalb rief Campino auch immer wieder dazu auf, es nicht zu wild zu treiben und auf die anderen im Publikum zu achten.
Ich finde das wirklich sehr anständig von der Band. Sie ziehen nicht einfach stumpf ihren Stiefel durch, sondern achten darauf, was im Publikum passiert. Chapeau!
Die Setlist
Zur Setlist kann ich eigentlich nur sagen: Für mich blieben keine Wünsche offen.
Von „Opel-Gang“ über „Auswärtsspiel“, „Altes Fieber“, „Schlechte Nachbarn“, „Paradies“, „Liebeslied“, „Alle sagen das“, „Wünsch dir was“, „Alex“ und vieles mehr war eigentlich alles dabei, was das Hosen-Herz begehrt.
Campino und die Politik
Natürlich durften auch die politischen Ansagen von Campino nicht fehlen.
Wie sagte er doch so schön:
„Wer ein Hosen-Konzert besucht, der besucht auch ein Anti-Nazi-Konzert und das seit 1982″.
Natürlich wurde auch ordentlich gegen die AfD ausgeteilt, was vom Publikum mit großem Jubel quittiert wurde. Wobei ich darauf wetten könnte, dass sich trotzdem der eine oder andere AfD-Wähler unter den 65.000 Besuchern befand.
Zwischendurch ertönte aus dem Publikum der antifaschistische Schlachtruf:
„Alerta, Alerta, Antifascista!“
Die Zugaben
Die erste Zugabenrunde begann mit „Alles mit nach Hause“. Das Publikum fing plötzlich an, „Auld Lang Syne“ anzustimmen. Campino war, glaube ich, kurz vorm Heulen und sagte schließlich: „Ich liebe euch alle.“
Weiter ging es mit „Halbstark“ und „Tage wie diese“.
Die zweite Zugabe begann mit „Kamikaze“. Anschließend kündigte Campino einen besonderen Gast an – und tatsächlich kam Rod Gonzalez von den Ärzten auf die Bühne.
Zusammen spielten sie „Schrei nach Liebe“. Rod Gonzalez natürlich stilecht mit einer „Paul-Stanley“-Glitzergitarre.
Danach folgte noch „Schönen Gruß, auf Wiederseh’n“.
Zum letzten Zugabenblock spielte die Band schließlich noch „Eisgekühlter Bommerlunder“, „Zehn kleine Jägermeister“, „Freunde“ und „You’ll Never Walk Alone“.
Als schließlich das Outro „Ich liebe das Leben“ auf der Leinwand erschien, war ich allerdings schon auf dem Weg zum Ausgang.
Es war 22 Uhr und ich war fix und fertig.
Die Band hatte fast zweieinhalb Stunden Vollgas gegeben.
Fazit
Was für ein Erlebnis!
Nach fast 40 Jahren als Hosen-Fan habe ich es nun also tatsächlich geschafft, mein erstes Konzert der Toten Hosen zu erleben. Und dann gleich vor 65.000 Menschen in Dresden.
Das war mein erstes und vermutlich leider auch mein letztes Hosen-Konzert.
Aber wenn man schon beim ersten Mal so etwas erlebt, kann man sich eigentlich nicht beschweren. (TKL)
