04.04.26-05.04.26 Sputnikhalle, Sputnik Cafe, Triptychon Münster
Es ist Ostern und ihr wisst was das bedeutet. Die Tore zum Culthe Fest 2026 stehen Sperrangel weit offen. In einer Zeit in der die Welt durch Krisen, Kriege und den immer stärker grassierenden Rassismus geprägt wird, wirkt diese dunkle Instanz der Kunst mehr denje wie ein Leuchtfeuer der Hoffnung. Das beweisen, wie jedes Jahr, die unglaubliche Rücksichtnahme der Gäste, als auch die große Akzeptanz und Annahme gegenüber Künstlern die keinen Metal spielen.
Tag 1. 04.04.26
Der Frühling holt erstmal alles was möglich ist raus. Die Sonne scheint und die Temperatur verrät mir dass ich heute keine Jacke brauchen werde. Schon gar nicht bei einem Indoor Festival. Dieses Jahr wieder klassisch an Ostern veranstaltet und mit nur einem, Im Vorfeld angekündigtem, Band Ausfall. Melechesh können ihre Headliner Position am zweiten Abend nicht in Anspruch nehmen. Da der Orange Mann aus `Merica den Iran bombardiert hat, können die Musiker, die mehrheitlich aus dem nahen Osten kommen, ihr Land nicht verlassen da keine Flüge starten. Danke Trump!!!!!! Für sie werden Warning aus Groß Britanien übernehmen.
Eröffnen tun heute allerdings Winselmutter. Die Winselmutter an sich ist eine Sagengestalt die quasi als deutsches Äquivalent zur irischen Banshee gesehen werden kann. Ihr Klagen tötet zwar nicht. Ist aber als böses Omen und Vorbote des Todes eines Menschen zu verstehen. Vornehmlich ist diese sagengestallt ehr im Vogtland, Erzgebirge oder Teilen Thüringens bekannt. Die nach ihr benannte Black Metal Band kommt allerdings aus Münster und Osnabrück. Eröffnet wird dieses Jahr in der Sputnik Halle und die Band verspätet sich eine ganze weile. Als die Show startet sehen wir die Musiker in teils, sehr an den Black Metal der 90er, erinnernder Bühnen Gear. Der Gitarrist trägt so zum Beispiel ein Kettenhemd und einen schwarzen Umhang, den er sich kurz vor Beginn noch auf der Bühne überwirft. Seine Frontfrau kommt mit Kettenhaube und einer Maske auf die Bühne. Dazu stehen am vorderen Rand noch eine brenende Kerze, ein Jesus am Hochreck und ein Schwert mit samt Scheide als Bühnenelemente bereit. Nach dem zweiten Stück entledigt sich die keifende Winselmutter ihrer Maske. Zum dritten Song legt sie ihre Kettenhaube ab. Dann ist aber erstmal Ruhe. Technische Probleme legen die Show für mehrere Minuten lahm. Nach dem der Amp, der offensichtlich ausgefallen zu sein scheint, ausgetauscht wurde kann man wieder ins Set starten. Im Großen Finale der Show, deren Songs von purer Verzweiflung handeln, bricht die Winselmutter förmlich auf der Bühne zusammen, zieht das Schwert aus der Scheide und versucht sich damit vergeblich zu stützen nur um dann den Rest des Sets kauernd am Boden zu wimmern. Intensiv! Trotz des engen Zeitplans des Festivals, dürfen Winselmutter ihre Black Metal Orgie mit leichten Punk Einschlag noch zu Ende spielen.
Im Triptychon geht es mit einer Lesung von Marcel Dreckmann weiter. Was früher immer als Opener genutzt wurde ist dieses Jahr ein angenehmer Slot zum kurzen verschnaufen zwischen den Black Metal Kaskaden. Es werden verschiedene Texte vorgetragen deren Ursprung ich allerdings nicht kenne. Teils sind sie in Hochdeutsch verfasst, teils aber auch in alten Dialekten wie Nieder-Ostwästfälisch. Ich kann gerade bei letzteren zwar nicht ganz folgen bekomme aber ein wenig mit dass es sich in der Geschichte wohl um einen Krieg und eine Brigade handelt die aus diesem Zurück kommt allerdings scheinbar weder tot noch lebendig. Begleitet wird Marcel Dreckmann dabei von der Multi-Instrumentalistin Fabis Tunes (Fabinne „Fabi“ Kirschke von Storm Seeker) die mit Harfe, Drehleier und einem Blasinstrument welches eine Fujarka, eine slawische Obertonflöte, sein könnte. Ein wenig ärgerlich ist es da schon das die dargebotene Show auf Grund ihres leisen Grundtons häufiger vom Flaschenklirren der Thekencrew übertönt wird.
Wenn man so ein wenig durch die Hallen und über das Gelände schlawienert entdeckt man viel interessantes. Natürlich ist in einem Nebenraum des Triptychons wieder eine Dark Arts and Crafts Ausstellung bei der man allerlei Kunst und Handwerksarbeiten erwerben kann. Im Hof steht ein Stand von Koloss der Merch anbietet das die stabile politische Haltung des Festivals unterstreicht. Z.B. Shirts im Slayer Designe mit Antifa Aufschrift. selbiges gerne auch noch einmal von der Biermarke Wicküler. Auch Skatboard Decks sind käuflich erwerblich. Das Festival selber macht klar `No NSBM, No Bullshit, Just Culthe`. Stabil! ebenso wie das neue Münsteraner Label Cultkill.
Im Sputnik Cafe eröffnen Coltaine aus dem Schwarzwald ihren Doom Metal mit Black Einfluss zunächst sehr leise. Mit einigen Glöckchen die ihre Frontfrau vor dem Mikrofon klingen lässt. Sie selber wechselt zischen aggressiven Keifattacken und zarten femininen Gesang. Letzteres aber sehr sparsam und effektiv dosiert. Ihre kurzen Ansagen haucht sie schon fast im ASMR Stiel ins Mikro. Das Cafe ist schon vor Beginn der Show so voll das die letzten Ankömmlinge, die sich für die Show interessieren, in der Tür bzw davor stehen müssen. Das sorgt leider dafür das die, ansonsten abgedunkelte Halle, jetzt etwas zu viel Sonnenlicht für meinen Geschmack abbekommt.
In der Halle läuft schon seit der Eröffnung des Festivals im Chance Over ein markantes bassiges Brummen. Ob man hier schlicht einfach eine Sunn O))) Playlist laufen lässt kann ich nicht sagen. Aber es erzeugt eine bedrohliche Atmosphäre die perfekt zu den, hauptsächlich im Black Metal angesiedelten, Bands passt.
Silver Knife sind eine dieser Bands. Zusätzlich zur üblichen Standard Instrumentierung gesellt sich hier noch ein Keyboard, direkt am Bühnenrand, dazu. Der Gesang der Band wird von allen Musikern, mit Ausnahme des Schlagzeuger, vorgetragen. Dieser scheint, zumindest in meinen Ohren, oft aber nur aus Schreien ohne klar artikulierte Worte zu, bestehen. Macht das die Kunst der Band schlechter? Nein. Denn selbst wenn es so ist, das hier keine richtigen Texte vorliegen, haben sich die Musiker dabei ja etwas gedacht. Außerdem haben Obituary so ihre ersten drei Alben aufgenommen.
Das Triptychon ist im normal Fall eigentlich die Stage für die ruhigeren/exentrischern künstler. Mit Daevar aus Köln ist es aber alles andere als ruhig. Die Band, die ihre Musik als Doom Grunge bezeichnet, hat eine klare Haltung. Sometimes Doom, Sometimes Grunge, Forever Antifascist (Was sie sowohl als Sticker als auch als Patch im Designe der LGBTQ+ Community Flagge anbieten). Eröffnen tuen sie ihren Set mit „Lillith`s Lullaby“. Sängerin und Bassistin Pardis Latifi besitz eine wunderbar mystisch klingende Stimme die den Songs eine gewisse Atmosphäre verleiht. zwischendurch muss Gitarrist Casper Orgfen mal eben seinen Gitarrengurt mit Gaffatape fixen. Schnell gemacht. Das Stück „Leila“ wurde ursprünglich immer der iranischen Frauenbewegung gewidmet. Diesmal wird es der gesamten Bevölkerung des gebeutelten Landes gewidmet. Den, so Pardis „Krieg ist Scheiße aber diese Regierung ist auch Scheiße“! Recht hat sie!
Im Cafe beweisen Cranial dass man nicht unbedingt nach Black Metal aussehen muss um Black Metal zu spielen. Die Männer sehen ehr nach VW Touareg als nach Panzer Division aus. Ihr Sound zertrümmert dafür aber alles. Abgrundtiefe Growls und ein Schlagzeug das klingt wie die Bombardierung Dresdens.
Auch Yellow Eyes in der Halle nutzen ihre komplette Belegschaft für die Aufteilung des Gesangs. Beim letzten Stück verzichtet man dann auch auf die Drums da das Viech von Schlagzeuger sich das Mikro schnappt und diesen, für die Verhältnisse der Band, langsamen Song, selber growled.
Im Triptychon passiert das was man vom Triptychon erwartet. Exzentrik! Wyatt E. Ft. Nina Saeidi. Die eigentlich Band Wyatt E. besteht aus drei Musikern. Ein Drummer, ein Gitarrist und ein Bassist. Die beiden an den Saiteninstrumenten haben aber zusätzlich noch ein Keyboard, zahlreiche Effektgeräte und ein Mikrofon mit Stimmenverzerrer um sich herum drapiert. Alle drei treten voll verschleiert auf und ihre Bühnengardrobe lässt sie wie orthodoxe Priester oder mehr noch wie Pharisäer aussehen. Die ersten beiden stücke spielt die Band alleine und der Bassist streut immer mal wieder verzehrte Vocals ein bei denen man nicht heraushören kann ob es sich hier um echte artikulierte Worte oder nur um Laute handelt. Erst mit dem Dritten Stück betritt die Sängerin Nina Saeidi die Bühne. Sie ist in ein rotes, orientalisch anmutendes Kleid gehüllt. Ihr Gesang ist klar und hoch und verleiht der Musik, die zuvor ehr ein wenig rätselhaft klang, nun eine klarere Struktur. in dieser Form ist der Auftritt von Wyatt E. und der Sängerin Nina Saeidi eine Prämiere. zwar ist Nina als Sängerin auf dem Album der band vertreten. Gemeinsame Auftritte gab es aber bisher noch nicht. Genau diese Shows sind es für mich die das Culthe Fest von anderen Festivals abhebt.
Das Duo Sun Worship war eigentlich schon für letztes Jahr angedacht, musste aber krankheitsbedingt absagen. Das Cafe ist wieder rappel voll. Gitarrist und Schlagzeuger teilen sich die Vocals. Das Drummkit steht auch nicht wie üblich am Hinteren Ende der Bühne sondern am, von den Zuschauern aus gesehen, rechten Bühnenrand. Der Drummer hat eine etwas eigenwillige Mikrofon Konstruktion. Statt eines schlichten Headsets trägt er ein richtiges Mikro um den Hals. Das erweckt ein kleines Déjà-vu in mir. Denn ich hatte schonmal auf dem Culthe Fest eine Band gesehen bei dem der Drummer ein Mikrokonstrukt am Kopf trug das irgendwie wie eine Fiese SAW Falle aussah. Auch diese Band war ein Duo. Sun Worship tauchten aber in den von mir gesichteten Running Ordern nicht auf. Lärmen tut die Band allerdings für 5. ihre Screams und Growls treffen dabei allerdings besser den Ton als ihre am Anfang eingestreuten clean Vocals.
Ultha schließen den Tag nun in der Halle ab. Die Kölner spielen, meines Wissens nach, bereits zum dritten mal auf dem Culthe. Davon das zweite mal als Headliner und heute mit einer Record Release Show zum neuen Album „A Light So Dim“. Alles was sie heute spielen ist neues Material von eben diesem Album, was sie so zum ersten mal auf die Bühne bringen. Wenn man sich das Line Up der Band auf Encyclopedia Metallum mal genauer anschaut, sieht man auch das einige, wenn nicht sogar alle Bandmitglieder zusätzlich in Bands aktiv sind oder waren, die fast alle schon mal auf diesem Festival gespielt haben. Beim Stück “ A Light So Dim“, dem Titeltrack des Albums, kommt sogar noch eine Akteurin dazu, die heute schon mit ihrer eigenen Band gespielt hat. Pardis Latifi von Daevar leiht dem Stück, das einem verstorbenem Freund der Band gewidmet ist, ihre Stimme. Über die Jahre haben Ultha in der Black Metal Szene viel Spott erfahren. Sie wurden nicht ernst genommen weil ihre Songs, im Gegenteil zum Gros der Bands in diesem Genre, noch Hoffnung enthalten. Das sie mit „Filth Pig“ einen Ministry Song Covern wird bei den trve Black Metallern mit Sicherheit auch für Schnappatmung sorgen. But who cares? Erster Tag vorbei ich bin platt.
Tag2. 05.04.26
Der zweite Tag begrüßt uns mit klassischem britischen Frühlingswetter. Es regnet nicht aber es ist deutlich kühler und grauer als gestern. Respekt an die Gruppe die auf dem Parkplatz in Zelten gecampt hat. Auch die Van und Wohnwagen Fraktion dürfte eine harte Nacht gehabt haben öffneten doch nach Beendigung des ersten Abend gegen Mitternacht die benachbarten Clubs, wie etwa das Fusion ihre Tore für die Elektro Szene. Auf dem Hof der Sputte geht’s gemütlich zu. Beim Blick in die Halle offenbart sich mir ein Setup das ehr nach Punk aussieht. Eine Antifa Flagge auf dem Verstärker (kurioserweise auf deutsch obwohl die Band selber aus den Niederlanden kommt) und ein Pali am Schlagzeug. Terzij De Horde, bennant nach einem Poem des Österreichischen Lyrikers Ernst Jandel, der für seine Sprachexperimente und Zerlegung der Sprache bekannt war, spielen allerdings lupenreinen Black Metal. Ok vielleicht ist eine gewisse Punk Attitüde vorhanden auch weil ihr Frontmann klar macht, dass er einen großenteil der Black Metal Szene für Feiglinge hält, da diese sich ehr auf die Ästhetik als auf Botschaften konzentrieren. Ihre Songs stützen sich nicht auf Satanismus oder anti religiöse Thesen, sondern prangern den Zustand der Welt an. Obwohl ich eigentlich kein Budge für Merch eingeplant hatte, musste ich mir das Tape, in Papschatulle, für nen schlanke 10er einfach gönnen (Parallele zum letzten Jahr).
Im Triptychon spielt ein Mann unter dem Namen Greet seine Show. Wir werden ihn später aber noch einemal sehen. Auf einen Tisch ist sein Hauptinstrument, ein Harmonium, platziert. Dieses Instrument wird mit einem Blasebalg, welcher über eine klappe bedient wird gespielt und über eine Klaviatur werden die einzelnen Töne erzeugt. Dazu singt er. Mehr ist es nicht, mehr braucht es auch nicht. Der Tisch ist mit einem Leinentuch bedeckt und eine aus Korbflechte gewobene Maske, die von hinten beleuchtet wird, starrt ins Publikum.
Was nun folgt ist intensiv. Die Show von Tristis im Sputnik Cafe ist theatralisch und grenzt schon fast an Musiktheater.Es ist zu dem eine EP Release Show. Ein weißes Kleid hängt von der Decke. Es ist mit schwarzer Farbe getränkt die Blut oder auch etwas mystischeres darstellen könnte. Diese Show bietet viel Raum für Interpretation. Die Frontfrau der Band ist über schwarze schnüre mit dem Kleid verbunden. Sie selber ist komplett schwarz gewandet. Symbolisiert das Kleid ihr ehemaliges Leben? ist sie vielleicht schon tot? während sie auf der Bühne mit dem Kleid agiert, es umarmt um dann doch wieder Abstand zu nehmen, schleicht ein als Eremit gekleideter Mann, mit brüchigem weißen Makeup, das bis in die Harre geschmiert ist, durch das Publikum. Auf dem gebeugten Rücken ein Teppich. Er verharrt Minuten lang vor dem Bühnenaufgang bis die Band einen neuen Song anspielt. Nun begibt er sich auf die Bühne und schmiert sich während des Songs mit Schlamm ein. Am Ende der Show reißt die Junge Frau das Kleid von sich, trennt die Schnüre ab und der Eremit rollt es in seinen Teppich ein und verschwindet. Die Interpretationen des gesehenen reichen von, einer Suizid Erzählung (Meine Interpretation), die Überwindung einer Depression( Auch meine positivere Interpretation) oder das überwinden des patriarchalischen Frauenbildes. Was es auch war, es hat mich berührt und ich habe tatsächlich noch einige Minuten nach der Show ein bisschen mit mir zu kämpfen.
In der Halle hauen Ashenspire ein amtlichen Brett raus. Über einen Projektor lässt die Band stimmungsvolle Bilder an die, als Backdrop genutzte Leinwand, projizieren. Ihr Frontmann, offenbar körperlich beeinträchtigt mit einer Unterarmstütze auf der Bühne, bezieht diese jedoch so stark in seine Performance mit ein und ist an diesem Wochenende aktiver auf der Bühne als sämtliche, nicht beeinträchtigten, Frontpersonen vor ihm. Die Musik der Briten ist reinstes Getrümmer mit Progressiven Versatzstücken. Geil!
Iskandr ist eigentlich ein Soloprojekt. Heute ist es aber ein Duo denn John B. Johns begleitet als Partner den eigentlichen Musiker. Die beiden haben klassische Country & Western Outfits an. Zumindest so wie man sich das ganze durch Western mit John Wayne vorstellet. Beide nutzen mehrere Soundeffekte, Boards, Trompete und ein Instrument das aussieht wie eine abgespeckte Version eines Harmoniums, was wir vorhin ja schon einmal gesehen hatten. Auf einer Leinwand werden dazu Kaleidoskop artige Bilder projiziert.
Maud The Moth war bereits 2023 Teil des Festivals. Damals noch als Solokünstlerin die durch das loopen ihrer live eingespielten Melodien und Sounds ganze Klangwelten erschuf. Dieses mal spielt sie im Cafe ein Band Set. Sie übernimmt dabei das Keyboard und den Gesang, der teilweise auch mit Stimmverzerrung arbeitet. Der Gitarrist, Scott von Ashenspire, der auch den Synthesizer spielt, und sein Bandkollege Alasdair als Schlagzeuger sind mit ihr auf der Bühne. Letzterer spielt auch gerne mal das Becken mit einem Geigenbogen. Ja richtig gelesen. Er zieht einen Geigenbogen über den Rand eines seiner Becken. An Exzentrik mangelt es also auch dem Band Set nicht.
Auch The Great Old Ones spielten schon einmal auf diesem Festival. Ihr vom Chtulu Mythos geprägter Black Metal ist melodisch und eingängig. Zumindest für die Verhältnisse dieses Genres. Die Aufwändigen Ornamente an den Mikrofonständern und die Kapuzenkostüme der Musiker sorgen auch optisch für den perfekten Look eines Fanatischen Götterkultes.
Jonathan Hulten sollten dem einen oder der andern noch als ehemaliger Gitarrist von Tribulation bekannt sein. Die androgyne Bühnenelfe war stehts durch seine Ballett artigen Bewegungen der Blickfang der Schweden. Seine Solo Musik dagegen ist alles andere als Metal. Leise fast schüchtern und romantisch angehaucht. Singer/Songwriter Musik mit der Akustikgitarre und einigen vom Band laufenden Instrumenteinstreuungen. Dazu hat der Mann eine dermaßen warme und angenehme Gesangsstimme dass man sich fragt, warum er das nicht schon viel früher gemacht hat. Hinter ihm steht eine Art Torbogen der mit (Künstlichem) Efeu bewachsen ist. Er selber ist komplett in Schwarz gehüllt mit weiß geschminktem Gesicht. Er wirkt fast wie eine elfische Version der Nonne aus The Nun. Nur das man vor ihm keine Angst entwickelt.
Underdark, aus dem UK, waren ebenfalls schon im Line up des letzten Jahres aufgeführt, mussten aber ebenso wie Sun Worship ihre Show kurzfristig canceln. Ihre Mischung aus Black und Post Black Metal wirkt wie ein klarer Bruch mit der Tradition dieses Genres. Zudem dürfte, das fast schon an Core anmutende, Outfit von Frontfrau Abi Vasquez, jedem Trveheimer den Hass in die Corpsepaint Visage treiben. Musikalisch ist das ganze auch eine Eruption und die Screams von Abi sind so markerschütternd und stimmlich überraschend tief.
Ebenfalls von der Insel kommt nun der Headliner, der eigentlich zu gut ist als dass man ihn nur als schnöde Vertretung für Melechesh ansehen darf. Ja es ist verdammt ärgerlich dass diese, bedingt durch den Iran Krieg, nicht anreisen können. Aber das Festival hat uns zwei Tage Black Metal Dauerbeschuss geboten, so dass der Doom Metal der Briten eine wirklich willkommene Abwechslung darstellt. Warning bieten uns nun also Zeitlupen Melancholie vom feinsten. Die schweren Riffs, genau auf der hälfte zwischen zäher Lava und Midtempo, lassen die großen schweren Boxen, die in der Sputnikhalle von der Decke hängen, wie bedrohliche Monolithen wirken. Und das meine ich nicht mal im übertragenen Sinne. Patrick Walker, Gitarrist und Sänger (U.a. auch bei 40 Watt Sun) untermahlt das ganze dann auch noch mit seinem wunderbar klagenden melancholischen Gesang. Ein wenig scheint er Probleme mit seiner Stimme zu haben. Denn zwischen den Songs drückt er sich immer mal wieder, aus einer Quetschflasche, Honig in den Mund. Merken tut man davon allerdings nichts. Ihre Songs sind Brecher von mehr als 7 min Spielzeit. Da dass etwas schwer zu timen ist, ist man aber auch nicht sauer das die Show schon etwas früher als wie geplant um Mitternacht endet.
Damit endet eine weitere Ausgabe des kultigen Culthe Fests. Die wirklich gute Kuration des Programms hat auch dieses Jahr wieder dazu geführt das ich keine Band und keinen Künstler ausgelassen habe oder gar als langweilig oder schwach bezeichnen würde. Jeder Programmpunkt hatte seine Berichtigung, war unterhaltend und teils berührend. Wenn ich allerdings einen Kritikpunkt habe, dann der über den Zustand des Triptychons. Zugegeben dafür währe die Location ehr verantwortlich als das Festival. Aber das die Bühne teilweise etwas abgeranzt wirkt, stört gerade bei den etwas intimeren Shows schon etwas. Gerade der Punkt dass der schwarze Stoff, der die Lichtschächte im Dach verdecken und für Dunkelheit sorgen soll, an einigen Stellen von der Decke hängt. Hier würde ich mir etwas mehr Bestandspflege wünschen. Ansonsten keine Beanstandung. Bis nächstes Jahr. Cheers.
