15.05.2026 Bühne am Herrenteichwall Maiwoche Osnabrück
Ich schwöre das ist das letzte Review über die Maiwoche. Dafür gibt’s zum Abschluss aber noch mal ordentlich Geballer. Denn Callejon bieten mit ihrem düster urbanen Metalcore ordentlich Pit Potential. Lets Go!
Der Name Callejon kommt aus dem Spanischen und bedeutet soviel wie Gasse. Oft auch in Verbindung mit klein oder eng. Das passt zum Vibe der Band der sich oft nach düsterer Vorstadt anfühlt.
Das Gelände am Herrenteichwall ist vom Rest der Maiwoche separiert. Zwar ist auch hier der Eintritt for free, aber im Gegensatz zum Rest der Maiwoche liegt das Gelände nicht in der Fußgängerzone der Stadt und mit einer Einlasskontrolle wird sicher gestellt das Getränke und Snacks nicht selber Mitgebrach werden können. To be fair, irgendwie muss die Maiwoche ja auch Geld einnehmen um die vielen Künstler zu bezahlen. Auf dem Gelände haben sich, neben den diversen Bierbuden, auch das Trash mit einer kleinen Bar, und die gemeinnützige Organisation von Metality eingerichtet. Auf der Bühne randalieren noch die letzten Auswüchse von Setyoursales, eine ebenfalls im Metalcore angesiedelten Band, durch die Walachei. Da ich diese aber vorher nicht kannte, und die Maiwoche es immer noch nicht auf die Kette bekommt die Genre Klassifizierungen im Programm ordentlich auszuschreiben (Im Grunde steht bei jeder Gitarren lastigen Band immer nur Rock) hatte ich das leider nicht auf dem Schirm.
Im Change Over läuft Queen`s „Bohemian Rhapsody“ gefolgt von den Backstreet Boys. Soviel dazu dass junge Menschen keine Kultur mehr schätzen würden. Ganze vier Sidedrops stehen rechts und links neben dem Drumriser auf dem ein schlichtes Weißes Schlagzeug mit Callejon Logo thront. Der Aufbau ist simpel aber gleichzeitig wirkungsvoll und „Dieses Lied Macht Betroffen“ ist wahrscheinlich der geilste Songtitel überhaupt. Dazu rotiert auch gleich der erste Pit, bei dem selbst ein Obelix mit kreiselt. Weiter geht’s mit „Dunkelherz“ und dem darauf folgenden als `Kreis lauf Lied´ betitelten „Tor Des Todes“. Kreislauf vorhanden Patient lebt! „Porn From Spain“ wird als der dritt asozialste Song betitelt den die Band je geschrieben hat. Warum er fast wie der Name einer Niederländischen Hardcore Band klingt weiß ich aber auch nicht. Vor ihrem, wahrscheinlich bekanntesten Song, „Blitzkreuz“ nutzt Fronter Basti noch einmal die Gelegenheit klar zu machen was für eine abgrundtief gottlose Nazi Partei die AfD ist. Es ist gerade alles etwas schwierig und alles wird teurer. Aber Faschisten an die Macht zu wählen kann nicht die Lösung sein. Faschisten werden nichts an dieser Situation ändern. Im Gegenteil. Sie werden diese sogar noch verschlimmern! Er sagt aber auch dass nicht jeder AfD Wähler direkt verloren ist. Einige können auch wieder zurück kommen. Man muss ihnen nur die richtigen Wege zeige. Das ist btw auch ein gutes Beispiel für Menschlichkeit und eine Gegenthese zum rechten Narrativ das Linke sture Meinungskonzepte hätten.
Es geht weiter mit „Sommer, Liebe, Kokain“. Die anschließende Trinkpause für Frontmann Basti muss akustisch begleitet werden. Er kann halt nur unter Applaus trinken. Als er sich einen Mikroständer schnappt ist dass das Zeichen für die obligatorische Feuerzeug und Handy Taschenlampen schwenk Ballade „Kind Im Nebel“. Der Song „Metropolis“ unterstreicht den, bereits eingangs erwähnten, urbanen Vibe der Band. Das man einen Song wie „Gott Ficker“ direkt neben der Dom Schule, und in direkter Nachbarschaft zur Herz Jesu Kirche spielen kann, ist dann auch schon anders Wild. „Lass Mich Gehen“, und „Die Krähe mit dem Schädelbauch“ sind die letzten Eigenkompositionen im regulären Set. Den Abschluss bildet das Die Ärzte Cover „Schrei Nach Liebe“ über dessen Wichtigkeit wir schon im letzten Review gesprochen haben. Für den Zugabenblock wird es dann noch einmal episch. Für „Masters Of The Universe“ wird eine Wall of Death Schneise gebildet, die auch locker als Rettungsgasse auf der A1 funktionieren würde. Und weil ein Cover im Set noch nicht genug ist schließt man den Abend mit demRAF Camora Song „Palmen Aus Plastik“ ab. Zwar geht die Maiwoche noch bis Sonntag aber für mich war dass der letzte relevante Gig der Diesjährigen Ausgabe.
Allgemein ist die Maiwoche seit ein paar Jahren wieder mehr damit bemüht auch außerhalb des bequemen Pop und Schlager Segments wieder Bands und Künstler für die alternative Szene zu buchen. Neben den von mir geschrieben Reviews zum Metalday, Mambo Kurt, der Kiss Forever Band, und nun auch Callejon. Beinhaltet das auch Bands wie ZSK, Versengold, Itchy (Ehm: Itchy Poopzkid) oder Butterwegge. Auch in den vergangenen Jahren waren mit Bands wie Savage Blood, Fjort, Clawfinger, The Butcher Sisters oder der jedes Jahr vertretenden AC/DC Tribute Band Dirty Deeds, sowie Arthur Brown immer wieder Acts für Freunde der gepflegten schrabbel Musik oder künstlerisch dargebotenem Rock, dabei. Die Maiwoche hat sich daher mittlerweile einen Platz im Festivalkalender von Fans des Metal, Punk oder Core verdient. Schauen wir was nächstes Jahr wird… was wird. Cheers.
