Examenskonzert Jonas Vallan (Vergissmeinich)

12.06.26 Kleine Freiheit Osnabrück: Vergissmeinich, Charlie Levin

Wer sagt Studenten Musik muss immer intellektuell und mit Akustik Klampfe sein. Das es auch deutlich härter geht beweist Jonas Vallan, Schlagzeuger der Osnabrücker Post Hardcore Band Vergissmeinich eben genau mit jener bei seinem Examenskonzert. Intellektuell sind die Texte trotzdem.

Freier Eintritt ist ja schon mal das Beste. Tatsächlich habe ich es bisher auch noch nie in die Kleine Freiheit zu einem Konzert geschafft. Mein erstes mal also. Und tatsächlich bin ich auch der Erste Gast vor Ort. Auch wenn der Eintritt frei und die Getränke hier günstig sind. Ein Examenskonzert zieht nicht viele Besucher an. Auch das Udo Dirkschneider heute Abend im Rosenhof 40 Jahre „Balls To The Wall“ zelebriert fällt da sicher ins Gewicht. Ganz allein bleib ich dann aber doch nicht. Es wird zwar nicht wirklich voll, aber katastrophal leer bleibt es auch nicht. Das ist halt Underground.

Apropos Underground. Du merkst wo du bist wenn die Nebelmaschine den Feueralarm auslöst und einige anwesende dazu abraven. In Anbetracht der Tatsache wie viele Metal Bands Luftsirenen als Intro nutzen, hätte ich gesagt `muss so`. Das allerdings jeder einzelne Rauchmelder separat ausgeschaltet werden muss ist dann etwas unpraktisch. Das tatsächliche Intro zu dem Vergissmeinich die Bühne betreten ist, wie schon auf der Maiwoche, „Das Dunkel Und Ich“ aus dem Rolf Zuckowski Kindermusical „Der Kleine Tag“. Ob die Titel auf der mir vorliegenden Setlist die kompletten Namen der Songs beinhalten, oder nur Abkürzungen weiß ich leider nicht. Das Erste Stück wird hier als „Spatenstich“ gelistet. Welch passender Titel als Opener. Nach dem dritten Song, gelistet als, „Gegen Das“, Erfahren wir in Jonas Rede, dass dieses Examen auf einen Workshop von vor 10 Jahren zurück geht. Nach dem Stück „In Glas“ gibt es dann noch das obligatorische Drumsolo, logisch es ist ja eine Examenskonzert eines Drummers, welches Jonas mit einer Portierklingel beendet. Die beiden Gitarristen, die auch den Gesang übernehmen, stehen sich beinahe von Angesicht zu Angesicht gegenüber wenn sie hinter ihren Mikrophonen Position beziehen. Wenn sie das denn tun. Denn besonders einer von beiden tigert energisch auf und auch vor der Bühne umher. Die 45 Min Spielzeit sind also bestens gefüllt. Nach dem Gig gibt es sogar noch etwas Restbestände des Bandmerch. Mit kleinen Tafeln machet die Band allerdings auch auf die industriellen Auswirkungen aufmerksam. So hängt neben ihren eigenen Shirts, aus eigener Herstellung, ein Text der darüber informiert das pro Jahr 120 Million Kleidungsstücke produziert und dabei 8000 Pestizide verwendet werden. 2700 Liter Süßwasser werden bei der Herstellung eines einzelnen Shirts verbraucht. Das macht einen dann doch schon etwas nachdenklich (Ich selber bin dabei auch Teil des Problems da meine eigene Shirt Sammlung mittlerweile dreistellig sein müsste).

Mit Charlie Levin kommen wir nun zu einem ganz anderen Stil. Indie Rock und Pop Einflüsse. Die Band hat ganze 8 Jahre nicht mehr gespielt. Im Wrestling würde sich jetzt die Frage nach Ringrost ergeben. Hier klingt allerdings gar nichts rostig. Ihre Sängerin und Gitarristin hat eine hohe glockenhelle Stimme. Gerade das Schlagzeug macht hier aber viel aus. Da das Spiel des Drummers tatsächlich sehr heavy ist. Würden die Gitarren mehr Verzerrung aufweisen und der Bass mehr knarzen (und Die Instrumente nicht auf Bauchnabelhöhe hängen) könnte man den Eröffnung Song „Electrified“ tatsächlich als Doom durchgehen lassen. Die Songs schwanken mahl mehr in Richtung Rock, mal mehr in Richtung Pop. Aber es driftet niemals in das belanglose Radiogeplätscher aus. Songs wie „Fight You“, „Breathing“ oder das abschließende „Neon Gold“ sind daher auch für mich in meinem PartySan Shirt passabel. Wie Jonas in seinem Examen nun abgeschnitten hat kann ich leider nicht sagen. Von mir gibt’s ne 1+ mit Fleißbildchen wahlweise Kürbisfratze oder Totenkopf. Gegen 21:30 Uhr ist dann auch schon Feierabend. Muss ja auch nicht immer so spät werden. Cheers.

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