veröffentlicht am 24.04.2026
Es ist das Finale Album das Tomas „Tompa“ Lindberg vor seinem tragischen Krebstod mit der Band aufnahm. Ob er oder seine Mitmusiker bereits von seinem baldigen Ableben wussten ist mir nicht bekannt. Genauso wenig ob der Titel „Ghost Of A Future Dead“ sich auf eben jenes Ereignis bezieht, oder schon weit vorher als Titel gewählt wurde.
Zwölf Songs servieren uns At The Gates die, bis auf zwei Ausnahmen, die 4 min Marke nicht überschreiten. Dabei switchen sie gekonnt zwischen Death und Melo Death hin und her und haben auch einige Überraschungen in ihrem Sound.
„The Fever Mask“ beginnt mit einem tiefen grollen, fast wie das brummen eines Verstärkers, klingt dann aber doch ein wenig nach Geräuschen die du nachts nicht aus dem Keller hören möchtest. Dannach ballern die Schweden ordentlich durch. Die Gitarren spielen eingängig aber nicht zu melodisch und das Schlagzeug legt ein schnelles Fundament. Tompas Gesang ist diese, für ihn, typische Mischung aus heiserem Growling und dezentem Screaming. Diese Art des Gesangs hat er schon vor der Metalcore Bewegung der 00er Jahre geprägt. Im Solopart holen die Gitarren die hohen Töne raus. Alles in allem klingt der Song hier aber noch mehr nach Death Metal. Das Stück ist nicht nur der Opening Track des Albums. Sondern auch die erste Singleauskopplung.
„The Dissonant Void“ wurde, zum Zeitpunkt dessen ich hier schreibe, zwei Wochen zuvor ebenfalls ausgekoppelt. Mit einem kurzen melodischen Gitarren Sing Sang als Intro (Die kurzen Introsektionen ziehen sich noch häufiger durch das Album) ballert das Schlagzeug im ähnlichen Takt wie im vorangegangenen Track los. Die Gitarren sind dieses mal aber deutlich melodischer. Kurz vor dem Einstig in den Refrain wird der Song noch mal richtig runter gebremst. Aber eigentlich besitz der Song gar keinen richtigen Refrain. Es ist ehr wie eine Art Bridge aufgebaut bevor der Song wieder in die nächste Strophe brettert. Hier spürt man schon deutlicher das was At The Gates einst zu den Pionieren des Melodic Death Metal machte.
Das Intro zu „Det Oerhörda“ ( Swe: Das Unerhörte) klingt fast schon ein wenig wie aus einer Oper oder einem dunklen Theaterstück. Auch der Grundtenor des Songs ist um einiges düsterer. Der Text ist, wie der Titel, auf Schwedisch. Tompa setzt gezielt auch einige sehr tiefe Growls ein, bleibt aber ansonsten in seinem gewohnten Timbre. Die Gitarren streuen nur gelegentlich etwas hellere Töne ein.
„A Ritual Of Waste“ startet mit einem verhalten Schlagzeug das klingt als stünde das Aufnahme Mikro in einem anderen Raum hinter einer verschlossenen Tür. Dann setzt der Rest, jetzt wieder bei klarem Sound, ein und erweckt in mir zunächst „Slaughter of The Soul“ Vibes. Tatsächlich hätte das Stück auch auf dem 95er Album stehen können. Die Melodien sind reduziert. Mehr Death als Melo Death.
Das darauffolgende „In Dark Distortion“ startet ebenfalls etwas deathiger. Aber so dunkel ist die Verzerrung dann doch nicht. Die Gitarren lassen immer wieder helle Momente der Melodie durchklingen. Zwar dezent aber dennoch hörbar. Der Song wurde als dritte Single, zum Zeitpunkt an dem ich das ganze schreibe, einen Tag zuvor (Am Release Tag) ausgekoppelt.
„Of Interstellar Death“ klingt erst wie der Songtitel eines „Blood Incantation“ Stücks. Tatsächlich ist es aber klassischste At The Gates Kost. Tompas Gesang klingt hier etwas höher als in den vorranggegangen Songs. Das Solo ist herrlich melodisch und das Schlagzeug, welches für mich gerade bei dieser Band immer ein sehr typischen klang hatte, klingt hier auch unverwechselbar nach den Schweden.
Das Intro zu „Tomb Of Heaven“ tönt im ersten Moment für mich sehr nach ihren finnischen Kollegen von Amorphis. Sinn ergibt das ganze ja sogar. Da auch Amorphis, wie At The Gates, im Kern eine Death Metal Band sind, die ihren Sound über die Jahre mit mehr Melodie angereichert haben. Große Teile des Stücks, vor allem die Bridges und die Refrain Passagen könnten aber auch von Dark Tranquillity sein, wenn diese das Keyboard aussetzten würden. Bevor dann das Intro noch einmal als Outro agiert.
„Parasitical Hive“ ist dann wieder At The Gates pur. Der Song sticht nicht weiter heraus was aber nicht bedeutet das er schlecht ist. Er ist einfach das was wir von den Schweden kennen. Ausnahme ist dann der doch recht ruhige Mittelpart der das Stück abrupt bremst um es dann wieder neu aufzubauen.
Ein sphärisches kurzen Intro leitet dann “ The Unfathomable“ ein. Auch dieser Song ist mehr Death als Melo Death. eigentlich sogar der am meisten nach Schwedentot klingende Song des Albums.
Die Einführung in „The Phantom Gospel“ lässt mich vom Sound der Gitarre her kurz an Ghost denken. Dann bricht aber der Death Metal Sound herein. Die Gitarren zerschneiden diesen aber dezent mit Melodiebögen. Das Stück hält gekonnt die Waage zwischen Melodie und Härte.
Mit „Förgängligheten“ (swe: Vergänglichkeit) fröhnt man einer alten Tradition aus Göteborg. Das Instrumental. In den 90er Jahre hatte jedes Melo Death Album mindesten ein Instrumental. Auch hier beginnt das ganze mit einer Akustik Gitarre bevor der elektrische Bruder sanfte langgezogene Melodien darüber streut. Der Titel des Songs könnte reiner Zufall sein. Könnte aber auch in Verbindung mit Tompas Tod stehen, eben auch weil es ein reines und sehr ruhiges Instrumental ist, ohne seine Stimme.
„Black Hole Emmision“ beendet das Album dann noch einmal mit einem typischen melodischen Death Metal Song.
Fazit: Dieses Album ist ein würdiger Abschluss für eine Karriere, sollte sich die Band denn entscheiden den Posten des Frontmannes nicht neu zu besetzten. Auf jeden Fall ist es ein würdiger Abschluss für das Lebenswerk des Tomas „Tompa“ Lindberg. Seine stimme hat diese Band mit geprägt. Sein Charisma auf der Bühne würde zukünftig fehlen. Wie es mit At The Gates weiter geht weiß wohl nur die Band selber. Auffallend ist aber, dass vieles auf ein Ende der Band hindeutet. Songtitel wie „Vergänglichkeit“ und auch der Albumtitel „The Ghost Of A Future Dead“, zudem es keinen Titelsong gibt, wirken daher ein wenig als wurden sie erst nach dem Verlust des Frontmannes hinzugefügt, um einen Abschluss zu finden. Das sind aber alles nur Interpretationen meinerseits. Das Album ist ein würdiges. Kauft es, hört es und gedenkt Tomas „Tompa“ Lindberg. Cheers.
