03.09 – 05.09.2026 Balve Balver Höhle
Das Festival mit der schönsten Location in Deutschland (Sorry Rock Hard ihr seit nur Platz 2.), das Prophecy Fest. Wie jedes Jahr ist es eine Mischung aus sympathischem Chaos und edler Attitüde. Dazu Auftritte der Hauseigenen Bands die so exklusiv sind, dass sie so wirklich nur hier stattfinden können. Willkommen im Underground der Balver Höhle.
Kurz nach Zehn in Balve. Das Auto kurz auf dem örtlichen Rewe Parkplatz geparkt um, wie üblich, an der KFZ Meisterei mein Ticket gegen ein Bändchen einzutauschen. Während es noch einige Probleme mit der Technik gibt, arbeitet man nebenan in der Werkstatt einfach normal weiter. Die Schwarze Flut an Metal Fans steht bei Nieselregen brav in der Schlange. Wie immer gibt es ein exklusives Art Book mit CD´s als Give Away. Darin sind ein paar persönliche Worte der Artist und Bands zu ihren Auftritten an diesem Wochenende zu finden + die passende Musikalische Begleitung auf zwei Tonträgern. Für wen das noch nicht exklusiv genug ist, der bekommt mit dem Comfortpass zusätzlich zu seiner Option zu duschen, die Sitzplätze in der Höhle zu nutzen und den Fastlane Zugang am Merchstand, auch noch eine Flasche Prophecy Bier mit auf die Hand. Dieses Bier wurde vom Label Prophecy Records mit entwickelt. Nach dem ich nun eingecheckt habe, mein Auto auf dem Idyllischen, aber bei dem Wetter echt etwas matschigen, Waldparkplatz geparkt habe, geht’s ans Camp aufbauen. Der Campground ist zwar nur mit Flatterband abgesperrt. Aber tatsächlich wird er dennoch bewacht, was mir in meinen ersten beiden Jahren nicht bewusst aufgefallen ist. Da es regnet wie Sau sind meine Schuhe und Socken binnen Sekunden komplett durch und Aufbauen funktioniert nur in Etappen in den kurzen Regenpausen. Den Rest der Zeit scharrt man sich unter die bereits stehenden Pavillons. Ein Vorteil gibt es aber. Der hartnäckige Dreck vom Reload Festival ist jetzt endgültig von meinen Schuhen runter.
Donnerstag: 03.09.2026
Das Camp steht und gegen 16:00 Uhr soll die Ouvertüre, die Eröffnung des Festivals beginnen. Diese findet noch außerhalb der Höhle auf dem Campground statt. Da der so klein ist kann man das ganze, wenn man möchte auch bequem vom eigenen Zelt verfolgen. Zunächst gibt es aber den Welcome Drink. Das bedeutet hier Freibier! Zwei Sorten gibt es. Ein belgisches Ale das wirklich lecker ist und eine zweite kräftigere Sorte die von einigen gerne als Weihnachtsbier bezeichnet wird. Aber das wichtigste ist doch, hier gibt’s noch echtes Bier (Ja ich schaue dich an Reload). Da man nur den Becher bezahlen muss und ansonsten soviel trinken kann bis nichts mehr da ist, stellen wir uns nach erhalt des Bieres einfach immer wieder neu an. Bis du vorne bist ist dein Bier wieder leer. Dabei wird herrlich über jedweden Kram geschnackt. So geht Stehparty! Währenddessen beweisen aber auch die Veranstalter guten Geschmack. Denn wer glaubt Metaller haben keinen Sinn für Schönheit und Klangähstetik dem sei gesagt. Der komplette Funktionstest der P.A. Anlage wird mit einem komplett Durchlauf von Bedřich Smetana`s „Die Moldau“ vorgenommen. Ein wunderschönes Stück klassischer Musik.
Die eigentliche Overtüre wird dann mit einem Set von Nest eröffnet. Der Finnische Künstler aus Riihimäki tritt alleine auf. Seine Dark Ambient/Neo Folk wird mit viel Backingtracks aus dem Laptop unterstützt. Er selber spielt dabei eine 15 Seitige Kantele, ein finnisches Saiteninstrument das ein wenig wie eine Mischung aus Akustikgitarre und Harfe aussieht, aber mehr nach einer Sitar klingt. Es gibt keinen Gesang und die Musik wird ehr als etwas meditatives als als bloße Unterhaltung verstanden. Die kleine Zeltbühne wird angemessen beleuchtet und da wir hier in einem ansonsten öffentlich zugänglichem Bereich sind, stehen auch einige neugierige Anwohner hinter der offenen Bühne und wohnen dem ganzen bei.
Das deutsche Neofolk/Dark Folk Projekt Neun Welten hat jetzt seinen ersten von zwei Auftritten. Sie werden in den nächsten Tagen auch noch einmal in der Höhle spielen. Auch hier wird eine ruhige und Naturverbundende Atmosphäre erzeugt. Ihr Set zelebriert das 20 Jährige Jubiläum von “ Vergessene Pfade“.
Traditionell ist die Ouvertüre eine rein akustische Veranstaltung(Wenn man die Backingtracks einiger Künstler außenvor lässt). Aber jetzt wird’s doch etwas lauter. Denn komplett unangekündigt steht ein britischer Gentleman mit Zylinder und Facepaint auf der Bühne und durch die Boxen ertönt `I`am the God of Hellfire/And I bring you…….Fire`. Arthur Brown steht plötzlich auf der kleinen Bühne gibt sein Mikrofon an einen Besucher ab und spaziert mit einem Stock durch`s Publikum. Danach tritt Martin Koller, Label Chef von Prophecy Productions und Veranstalter des ganzen hier, auf die Bühne. Grund dafür ist die Verkündung der ersten Band für 2027. Und die hat es in sich. Zwar gibt es beim Prophecy Fest keine wirklichen Headliner, alle Bands stehen sich gleichwertig gegenüber. Aber gäbe es einen währen es Falkenbach. Die Isländische Pagan/Viking Metal Band die im Jahre 1989 (meinem Geburtsjahr) gegründet wurde, hat tatsächlich noch nie Live gespielt. im Kommenden Jahr wird es in Balve also ein Weltprämiere geben die dazu führen soll, dass das Festival bereist 2 Tage nach Ende der diesjährigen Ausgabe, Ausverkauft ist (Nimm das Wacken!).
Der Italiener Simone Salvatore spielt, quasi als Headliner der Ouvertüre, ein solo Set. Eigentlich ist der Mann Teil der Band Spiriutual Front. Weder mit seiner, noch mit der Musik seiner Hauptband hatte ich bisher Kontakt. Was er spielt ist ruhig und passt zur Stimmung. Denn die Nacht ist bereits hereingebrochen und die Feuerschalen von Gondor brennen. Er spielt, wie alle andren Künstler vor ihm, rein akustisch, mit einer Gitarre und seiner Stimme. Singer Songwriter sozusagen. Ob die Stücke von Spiritual Front sind, kann ich aber nicht sagen.
Die Nacht gehört danach der Lagerfeuerromantik. Ein Besucher hat sogar seine Akustikgitarre dabei und spielt ein wenig damit. Aber der Typ, der mich noch von einem andren Festival her kennt, und mir vollkommen aus dem Nichts einen kleinen Triceratops aus dem Ü Ei schenkt, weil er noch wusste dass das mein Lieblings Dino ist, den top keiner mehr.
Freitag: 04.09.2026
Das Sauwetter bleibt. Im Gegensatz zu den Vorjahren haben sich die Veranstalter in diesem Jahr dazu entschieden uns die Baldachine der Vornacht, unter denen der Bierauschank, der Merch und die Bühne standen, noch einen Tag länger zu lassen. Das ist auch verdammt nötig. Denn es stürmt so hart, dass sich einige der Baumarktpavillione dazu entscheiden, spontan dem Balver Raumfahrtprogramm beizutreten. Eine Gruppe Besucher wird hier aber richtig Kreativ. Die gebrochenen Stangen des Pavillons werden mit Ästen, aus dem Wald neben an, geschient. Dabei werden die Blätter allerdings dran gelassen was dem Pavillon im Anschluss einen Look wie von Waldelfen erbaut verleiht. Jeder Rollenspieler würde sich hier wohlfühlen.
Die erste Band die heute in der Höhle spielt sind Farsot. Als ich den Natursaal betrete spielt die Band schon. Das interessante am Prophecy ist dass man beim Betreten der Höhle an der Bühne vorbei geht und somit den Blick der Bühnentechniker bekommt den man auf Anderen Festivals nicht hat. Die Thüringer aus Gotha spielen ein Stilmix aus Depressive – und Post Black Metal. Dazu passt der Name der, aus dem Schwedischen übersetzt soviel wie Epidemie hießt, sehr gut. Da das Schwedische dem Deutschen nicht allzu fremd ist, heißt das letzte Stück demnach auch „Thematik: Tod“. Pragmatismus in rein Kultur.
Gestern spielet Simone Salvatori schon ein Solo Set. Heute tritt er als Sänger und Gitarrist der Römer Spiritual Front auf. Der Mix aus Dark Post Punk und Neofolk ist etwas sehr eigentümliches. Kommt aber gut rüber. Heute merke ich auch das Salvatori bereits gestern Songs des heutigen Sets gespielt hat. Etwa „No Kisses On The Mouth“ oder auch „Salve“ die heute direkt nacheinander gespielt werden. Die Band versprüht dabei einen ziemlichen Gothic Charme und eigentlich wäre ein Glas Rotwein jetzt angebrachter als ein Becher Bier.
Die Belarussen Dymna Lotva waren bereits im letzten Jahr hier, spielten da aber am Donnerstag auf der Ovatüre auf dem Campground. Heute also die Mainstage in der Höhle. Ich kenne mich mit den Osteuropäischen Sprachen nicht aus, weswegen ich nicht mit Bestimmtheit sagen kann ob die Texte in russischer oder belarussischer Sprache verfasst sind. In den Städten (die Band kommt aus Minsk) wird aber vorrangig Russisch gesprochen. Am Mirko steht Frontfrau Ekatarina Mankevich in einem glitzernden Abendkleid, welches einen krassen Kontrast zur Musik darstellt, und übernimmt den Hauptanteil der Lyrics, welche eine Mischung aus Scrams und klarem weiblichen Gesang sind. Gegen Ende des Sets kommt aber mit Ingvarr von Schreigarm auch ein männlicher Sänger auf die Bühne. Er performt mit „Return My Coffin Home“ einen von zwei englischsprachigen Songs. Für das Abschlussstück „The Boat Of Disapier“ begibt sich ex My Dying Bride Frontmann Aaron Stainthrope zu einem Gastauftritt auf die Bühne. Die in Cyrillischer Schrift auf einer belarussischen Flagge platzierte Botschaft `Freies Belarus` beendet den Gig der Minsker.
Markus Stock alias Ulf Theodor Schwardorf ist der Kreative Kopf hinter Sun Of The Sleeples, The Vision Bleak und Empyrium. Mit letzt genannter Band tritt er jetzt auf der Mainstage auf. Empyrium spielen eine Mischung aus Neofolk und Extrem Metal. Es ist schwer zu greifen da die Musik zwar doomige Elemente aufgreift, das ganze aber nicht die Schwermut und Zähigkeit des Genres aufweist. Gleichzeitig sind Song wie „Moonromanticism“ oder „Under Dreamskies“ auch mit viel Romantik bedacht. Den langjährigen Fans wird bei diesen beiden Songs wohl schnell klar das hier das 30 Jährige Jubiläum von „A Wintersunset…“ begangen wird. Allerdings wir das Album hier nicht am Stück gespielt. Bis „The Franconian Woods in Winter’s Silence“, an dritter Stelle, sind wir noch Cronologisch. Dannach werden mit „Mourners“ und “ Ode To Melancholy“ zwei Stücke von „Songs Of Moors and Misty Fields“ in die Setlist geschleust. Mit „Autumn Grey Views“ und dem Albumcloser „A Gentle Grieving Farewell Kiss“ spielen wir wieder „A Wintersunset…“. Den Abschluss das Sets setzt allerdings „My Nocturnal Queen“ von der „…Der Wie Ein Blitz Vom Himmel Fiel…“ EP. Fun Fact: Auf der Festival Setlist ist das Y in `30 Years Of „A Wintersunset…“ so stark kursiv geschrieben, das man auch glatt Tears lesen könnte. Was der Romantik der Musik sogar gut stehen würde.
Jetzt aber wirklich. Da issa. Der God of Hellfire. Arthur Brown spielt nun zum dritten mal in Folge auf dem Prophecy Fest. Selbst die Veranstalter schreiben auf ihrer Homepage dass der Mann mittlerweile sowas wie die Hausband des Prophecy Fests ist. Mit seinen mittlerweile 83 Jahren hat sich der Britische Gentleman gedacht `Ach komm ich mach noch mal ein Album`. Seine heutige Album Release Show bietet im Kern zwar nicht unbedingt neue Elemente, dennoch ist es ein vergnügen den Mann nun schon zum Vierten mal (Die Maiwoche 2025 mit eingerechnet https://heavystageforce.de/arthur-brown-atomic-peat/ ) Live zu sehen. Langweilig werden seine Kostümwechsel und der Brennende Helm bei „Fire“ zumindest für mich nicht. Verabschieden tut er sich danach noch mit den Worten `See you next Year`. Ob das Britischer Humor ist oder er wirklich im kommenden Jahr wieder kommt? Wir werden sehen. Von mir aus immer wieder gerne.
Auch wenn es offiziell keine Headliner auf dem Prophecy Fest gibt, kann man Tiamat mit ihrem „Wildhoney & More“ Set schon als solchen sehen. der Zusatz `& More` ist hierbei auch der Opening Part. Wo andere Bands mit dem eigentlichen Album beginnen steigen Tiamat mit gleich vier „Cloud“ Songs ein. „In A Dream“ dem Titeltrack sowie „Smell Of Incense“ und „The Sleeping Beauty“ wobei Musiker, Engnieer und Produzent Matt Korr als Gast auf der Bühne erscheint. Mit „Divided“ spielt man dann sogar noch einen „Pray“ Song bevor man dann wirklich in das „Wildhoney“ Album einsteigt. Natürlich mit dem gleichnamigen Intro. Allerdings sind dann im verlauf nur 5 Songs von eben jenem Album. „Whatever That Hurts“, „The Ar“, „Visionaire“, “ Do You Dream Of Me“ und „Gaia“ Die übrigen Songs wie „Church Of Tiamat“, „Love in Chains“ und „Vote For Love“ sind von den alben „Skeleton Skeleton“, „Judas Christ“ und abermals „Pray“. Einen kompletten Play Thruogh gibt es also leider nicht. Dennoch ein guter Abschluss des Tages.
Apropos Abschluss. Auf dem Campground geht die Lagerfeuerromantik wieder los. Doch leider ist es aufgrund der Feuchtigkeit nahezu unmöglich mehr als eine Feuerschale zu entzünden. Der Versuch glühendes Holz von der bereits entzündeten Schale in eine weitere zu überführen funktioniert zwar. Aber anschneienden ist es zu nass als dass daraus ein richtiges Feuer entsteht. Gondor ruft um Hilfe. Aber niemand wird antworten.
Samstag 05.09.2026
Der letzte Tag des Festivals und es ist trocken, sonnig und warm. Ein kompletter Wetterumschwung. Nachdem ich mich, mal wieder, mit anderen Besuchern des Festivals angefreundet habe, unter denen auch ein in Deutschland lebender Texaner ist, der mit seiner Freundin und einigen Buddys hier ist, ist es Zeit für etwas Sport. Denn ich werde zu einer runde Frisbee eingeladen. Den Sport habe ich zwar immer ehr an den Stränden von Kalifornien verortet. Aber scheinbar spielt man das auch in Texas. Spaß macht das ganze aber, oh Boy, geht das ganze an die Kondition. Ich bin zwar sportlich. Aber Kardio muss ich definitiv weiter ausbauen.
Etwas gediegener geht es am frühen Nachmittag mit dem Musikprogramm in der Höhle los. Der ehemalige My Dying Bride Frontmann Aaron Stainthrope hat sich mit dem Pianisten/ Keyboarder Mark Deeks und der Streicherin Jo Quail zusammen getan um Songs aller drei Künstler gemeinsam zu spielen. Dazu werden nur ein Keyboard /Synthesizer, ein sehr kunstvoll gefertigtes Cello und Aaron`s Stimme verwendet. Ich bin mit den Werken der anderen beiden Künstler nicht wirklich vertraut. Aber alle stücke fügen sich nahtlos in das gesamt Konzept des Projektes ein. Ich finde es dabei erstaunlich das Aaron Stainthrope nach seinem Abgang bei der britischen Doom/Gothic Walze überhaupt noch weiter Live auftritt. Leidet der Mann doch unter krankhaftem Lampenfieber. Das sieht man stellenweise auch. Aaron konzentriert sich ganz auf sich. Mit vor sich verschlossen Händen und teilweise geschlossenen Augen steht er hinter seinem Mikrofon. Die Musik an sich verlangt aber auch nicht mehr. Selbst das zu tiefts rührende My Dying Bride Stück „I Almost Loved You“ wird im original nur von einem Klavier und seiner Stimme getragen. In der Balver Höhle bekommt der Song eine noch tiefere Atmosphäre.
Den genauen Kontrast dazu liefern Dornenreich. Bereits im vergangenen Jahr spielten sie ein Akustik Set, wenn gleich auch aus der Not geboren wie ich später noch erfahre. Heute gibt es das volle Brett Black Metal. Das die Tiroler keine typische Band des Genres sind, sieht man schon an der Tatsache dass, anstelle der Keyboards, die Österreicher auf eine Violine zurück greifen. Weshalb man ihre Musik auch gerne mal als Dark Metal bezeichnet. Der Set heute ist außerdem exklusiv für das Prophecy Fest. Nach dem Intro eröffnet man mit „Der Wunde Trieb“ den Set. „Flammenmensch“ und „Wer Hat Angst Vor Einsamkeit?“ schließen sich direkt an. Insgesamt werden uns 7 Stücke kredenzt. „Wolfpuls“, „In Allem Weben“, „Erst Deine Träne Löschte Den Brand“ und „Trauerbrandung“ zum Abschluss.
Markus Stock die Zweite. Heute steht er mit Sun Of The Sleepless auf der Bühne. Da er im vergangenen Jahr auch schon mit The Vision Bleak und gestern mit Emyrium gespielt hat, macht er nun den (nicht ganz lupenreinen) Hattrick voll. Während Empyrium ehr für Black Metal und The Vision Bleak ehr für Gothic Ästhetik stehen, sind Sun Of The Sleepless deutlich experimenterller. Ambient und Black Metal Elemente sind dennoch vorhanden. Mit „The Lurwe Of Nyght“ und „Where In My Childhood Lived A Witch“ wird der Set eröffnet. Die Band arbeitet auch gerne mit Versatzstücken aus dem Trip Hop die das konventionelle drumming bereichern oder gar ersetzen. Ein Titel wie „The Owl“ ist bei einer Band, deren Name eigentlich nur eine lyrische Umschreibung für den Mond ist eigentlich schon Pflicht. Insbesondere wenn am Bühnenrand eine große Ausgestopfte Eule auf einem Ast sitzt. Mit „Phoenix Rise“ wird der Set nach 7. Songs zu Ende gebracht.
Black Metal ist eigentlich immer eine recht ernste Angelegenheit. Dass das aber auch anders gehen kann beweisen Hangover In Minsk. Als Nebenprojekt von Dymna Lotva, nach einer durchzechten Nacht in der belarussischen Hauptstadt entsanden, haben sie sich ganz dem Alkohol verschrieben. Jawoll ihr lest richtig. Alkoholic Black Metal! Die Besetzung ist im Kern die selbe wie bei der Hauptband. Mit „Farewell“ startet man in den Set, der übrigens auf der kleinen Second Stage im hinterenteil der Höhle über die … naja Bühne geht. Eigentlich ist das was hier als Bühne dient auch nur knapp höher als das Bodenniveau der Zuschauer. Ein Backdrop gibt es gar nicht. Dafür stehen jeden Menge Flaschen Bier bereit, sowie Bierkrug förmige Luftballons die ins Publikum geschmettert werden. Bei „The Devil In Me Wants To Dance“ schüttet sich Frontfrau Ekaterina Mankevich, die sich in dieser Band auch gerne mal als Nokt bezeichnet, dermaßen viel Tafelwasser in den Ausschnitt , das man denken könnte sie würde sich gleich ausziehen. Für den Song „Fuck You, My Love“ tritt, wie auch schon gestern bei Dymna Lotva Gastsänger Ingvarr von Schreigarm wieder in Erscheinung. So unorthodox die Band auch ist, soviel spaß macht sie aber auch.
Bereits im vergangenen Jahr stand Berufs Melancholiker Mick Moss alias Antimatter in der Balver Höhle auf der Bühne. Anno 2026 bekommen wir eine exklusive Weltprämiere seiner neuen Band Sleeping Pulse. Nicht minder melancholisch wie sein Hauptprojekt eröffnet die Band den Set mit „Parasite“. Mir persönlich fällt bei Songs wie „Gagging Order“, „The Puppeteer“ oder „The Butterfly Collector“ erstmal kein großer Unterscheid zu Antimatter auf. Vielleicht muss ich mich dahin gehend aber noch mal mehr mit dem ganzen beschäftigen. Denn dass die Musik gut ist, daran besteht kein Zweifel.
2022 verabschiedeten sich Secrets Of The Moon. Alles wurde gesagt, die Band sah keinen Nutzen mehr in ihrem Schaffen. Ich selber habe beim letzten Festivalgig auf dem PartySan sehr viel Augenflüssigkeit verloren. Für das 20 Years Of „Antithesis“ Jubiläum kommt die Band allerdings noch mal zurück um das Album noch einmal am Stück zu spielen. Zwar nicht chronologisch, aber dafür sind in diesem Fall alle Songs der Platte vertreten. Vom Opener „Nowhere (11:18)“ zur Eröffnung bis „Lucifers Speak“ als Closer. Zumindest diese beiden Song stehen in ihrer korrekten Reihenfolge. Zudem stößt bei letzt genanntem Stück auch noch einmal Markus Stock als Gastsänger hinzu. Das macht die Sache dann auch ordentlich rund. Danke dass ich euch noch mal sehen durfte.
Obwohl es beim Prophecy Fest eigentlich keine Headliner gibt. könnte man Behemoth`s Adam `Nergal` Darski als solchen bezeichnen. Auch hier steht ein Jubiläum an. „Sventevith“ ist nunmehr vor 30 Jahren auf die Menschheit losgelassen worden. Darum wird das komplette Album, diesmal sogar Chronologisch (wir steigern uns von Band zu Band) gespielt. Allerdings stehen hier nicht Behemoth auf der Bühne. Nergel ist der einzige Musiker der polnischen Blach/Death Institution. Mispyrming, die einen Tag zuvor ebenfalls ihr eigenes Material auf die Bühne gebracht haben, fungieren als seine Backing Band. Das funktioniert auch von Minute eins an sehr gut. Das schlichte Bühnenbild, bestehend aus zwei simplen Sidedrops mit einem umgedrehten weißen Kreuz auf schwarzem Grund und die dunklen Farben der Beleuchtung, reichen völlig aus. Da das Album chronologisch gespielt wird eröffnen wir logischerweise mit „Chant of the Eastern Lands“ und führen das Ganze mit „The Touch of Nya“ weiter fort. Nergel selber steht in schlichter Lederjacke auf der Bühne. Keine aufwändigen Kostüme wie man sie aus den Videos der Band kennt. Mit „Transylvanian Forest“ beschließen er und seine Gastmusiker nicht nur den Set sondern auch das Festival für dieses Jahr.
Es war erneut ein ganz besonderes Erlebnis. Die Höhle und die teils exklusiven Auftritte der Bands machen dieses Festival ziemlich einzigartig. Das merkt man auch daran, dass es nur eine Bandbestätigung brauchte um das Prophecy Fest innerhalb von zwei Tagen aus zu verkaufen. Falkenbach werden also im kommenden Jahr ihren ersten (und wahrscheinlich auch einzigen) Live auftritt ever spielen. Und Arthur Brown ist bestimmt auch wieder da. Wir sehen uns also im nächsten Jahr…… hoffe ich, ich hab nämlich auch kein Ticket. Cheers.
