14.05.2026 Europadorf Maiwoche Osnabrück
Osnabrück You Wanted The Best , You`ve Got The Best. The Hottest Tribute Band In The World! Die Kiss Forever Band aus Ungarn bringt am Vatertag alte Herren in nostalgische Sphären zurück.
Doch bevor die Aus Budapest angereiste Band wirklich loslegen kann, sorgt ein Vorfall im nahe gelegenen Nikoleiort für Verzögerung. Ein Auto brennt im Parkhaus und sorgt dafür das durch den daraus resultierenden Feuerwehreinsatz, die Band nicht auf das Festivalgelände durch kommen kann. Das sorgt für eine erhebliche Verspätung der eigentlichen Stage Time. Diese war eigentlich für 19:45 Uhr angesetzt. Die Band wird aber erst um 20:30 Uhr auf die Bühne können. Während die Bühnentechniker sich daran machen alles so gut wie möglich vorzubereiten unterhält DJ Matze solange das Publikum. Zu Beginn, als es noch recht leer vor der Bühne ist und er auch ehr auf Pop Musik setzt, nutzen gerade einige Frauen das Bühnenvorfeld als Tanzfläche. Später schwenk er dann aber zu ehr Rock lastigeren Klängen um. Als er eine Cover Version des Die Ärzte Klassikers „Schrei Nach Liebe“ spielt (warum auch immer nicht das Original?), macht er klar, dass dieser Song dieser Tage wieder wichtiger ist als je zu vor. Das ist eine wichtige und mutige Ansage in Zeiten des leider immer stärker werdenden Rechtspopulismuss seitens AfD und teilen der CDU. Generell steht das Europadorf für demokratische Werte ein. Die Europaflaggen Seite an Seite mit der deutschen Bundesflagge sind ein klares Signal für den Zusammenhalt der EU und für Demokratie. Auch das eine Band aus dem Ungarn, das gerade die autokratische Scheindemokratie eines Viktor Orban´s überwunden hat und nun in eine demokratische Zukunft schauen kann, auf genau dieser Bühne spielt, halte ich für ein starkes Statement. Seid euch bitte stehts bewusst das Kultur und Subkultur, vor allem eine solche wie die des Rock und Metal, in einer von Faschisten geführten Umgebung, nicht existieren kann.
Aber nun zur Musik:
Das legendäre Intro, welches ich in der Einleitung schon zitiert habe, kommt leider nur in den ersten Reihe an. Warum auch immer hat der Soundmann das Mikro des Drummers noch nicht geöffnet. Dennoch stehen jetzt vier Musiker in wirklich gut gemachten Bühnenkostümen auf den Bretter. Eröffnet wird, logisch, mit „Detroit Rock City“. Es ist der aller erste Gig der Band in Osnabrück. Das Publikum ist, erwartbar, älteren Semesters. Ich bin 36 und habe das Gefühl, zumindest bei den Männer, ein ziemlicher Einbruch in den Altersdurchschnitt zu sein. „Shout it Out Loud“ und „Do You Love Me“ folgen. Das stück „Shock Me“ wird dem im Oktober letzten Jahres verstorbenen Ace Frehley gewidmet. Dem originalen Spaceman. Apropos: Es fällt auf dass eben jener Spaceman den gesamten Abend über die Zentrale Position auf der Bühne einnimmt, die beim Original eigentlich Paul Stanley`s Starchild vorbehalten war. Eine dezente Ehrung des Mannes. „Crazy Night“ wird dann, wie zu erwarten, den Girls gewidmet und natürlich zieht auch dieser Demon seine Blutspuck Nummer vor „God Of Thunder“ durch. Fun Fact an dieser Stelle: Die originalen Kiss versuchten einst bei der WCW ins Pro Wrestling einzusteigen. Vier Wrestler sollten die vier Musiker und ihre Character repräsentieren. Das ganze ist kongenial gescheitert. Lediglich der Demon wurde für ein paar Wochen in den Shows gezeigt. Sein Debüt wurde mit einem full Playback Auftritt von Kiss zu eben jenem „God Of Thunder“ zelebriert. Zwar spielt man als nächstes „Lick It Up“ vom „Unmasked“ Album, bleibt aber währenddessen voll geschminkt (Vielleicht ne Idee für den Zugaben Block). Kurzer Abstecher in den Big Apple mit “ Back In The New York Groove“, bevor mit „Love Gun“ wieder ein Song für die Ladys ansteht. Eine Dame im Publikum versucht auch offensiv mit dem Demon zu flirten. Dieser deutet allerdings auf seinen Ehering und die Sache hat sich damit. Und wo wir gerade beim Demon sind. Dessen Lecklappen ist zwar bei weitem nicht so lang wie der des echten Gene Simons, das hält ihn aber nicht davon ab ihn ordentlich in Szene zu setzten. Auch die Instrumente machen einiges Her. Der Demon spielt schon seit einigen Songs einen Bass der seinem Makeup inklusive überlanger Simons Zunge nachempfunden ist. Der Spaceman hat dagegen eine Klampfe mit Beleuchtung, ähnlich der eines alten Filmtheaters. Vor „Black Diamond“ weist Mainsinger, Starchild, den Soundmann darauf hin, dass der nächste Song vom Drummer, The Catman, gesungen wird. Wir erinnern uns. Zu Beginn wurde vergessen das Mikro zu öffnen. Jetzt klappts aber. Das man immer erst meckern muss.^^ Da wir jetzt eh schon alle großen Songs durch haben, kommen wir leider auch an „I Was Made For Loving You“ nicht vorbei. Aber das der Song eine love it or hate it Sache ist, dessen ist sich die Band bewusst. Trotzdem gehört er ja zur Discographie der originalen Kiss und ist bis dato auch ihr kommerziell erfolgreichster Song. Mit „Rock And Roll All Night“ beschließt die Kiss Forever Band stilvoll ihren Gig und der Demon spuckt noch einmal Feuer. Die Bühnenshow der Ungarn ist fantastisch. Natürlich kommen sie nicht an das Original ran. Aber die Kostüme und das Make up der Band sind sehr originalgetreu. Flammenwerfer auf der Bühne und die kreativ gestalteten Instrumente, beim Abschluss Song bekommt der Demon sogar seine Bassaxt, sorgen für eine gute Immersion der originalen Band. Sogar der Getränkebecher des Starchilds ist mit Strass besetzt. Da ich ganz vorne stehe gehen Teile des Gesangs über mich hinweg. Doch ich bekomme von Personen von weiter hinten mit, das selbst der Mann im Starchild Kostüm Probleme hat die Töne zu halten. Ist ja eigentlich genau wie beim Original. Und auch das sei erwähnt. Der Schriftzug ist näher am Originalen dran als die deutsche Version der echten Band (Weil die Behörden hier zu Lande meinen darin die Sigrune der SS zu sehen). Dafür gibts 9,5/10 Gene Simons Zungen. Abzug gibt´s nur dafür das man mit „Creatures Of The Night“ meinen Lieblings Kiss Song vergessen hat. Aber to be fair. Die Show war ja auch mal länger geplant. Cheers
