01.07.26 – 04.07.26 Flugplatz Asmusstedt Ballenstedt am Harz
Made of Metal, Beer and Best Friends. Das ist das Motto des Rock Harz. Wie wahr das ganze ist zeigt sich jedes Jahr erneut. Ein geiles Line Up trifft auf ein immer stätiger zusammenwachsendes Publikum dass sich untereinander schon zu kennen scheint. Und Bier gibt’s natürlich auch.
03:20 Uhr Osnabrück, noch dunkel, einladen, die Frisur hält. Deutschland hat das Achtelfinale nicht erreicht. Gut dann kann man sich jetzt um Metalbelange kümmern. Den Transit vollgeladen ab in den Harz. Bereits vor der Öffnung des Campgrounds gibt’s in der Warteschlange die ersten Bierchen. Das entzerrte Anreisekonzept der letzten Jahre hat sich bewährt. Ebenso wie unsere frühe Anreise. Denn wir dürfen als erste am Dienstag Vormittag den Campground betreten. Auch der Check In für mich als Pressevertreter geht entspannt. Als Give Away bekomme ich sogar einen Presseausweis. Der hat zwar keine Funktion (dafür habe ich ein anders farbiges Bändchen). Aber fürs Feeling isses geil. Unser Camp errichten wir direkt auf der anderen Seite des Zaunes der uns von der Festival Plaza trennt. Zentraler geht’s nicht mehr. Auch das Duschcamp und die, standartmäßigen, Spültoiletten sind gut erreichbar. Letztere sind sogar kostenlos. Das Flatrate Duschticket kostet aber auch nur schlanke 15 € für die gesamte Woche. Der Rest des Tages wird genutzt zum Bier trinken, über den Campground zu flanieren und, nach Einbruch der Dunkelheit, die Teufelsmauer zu besteigen. Das Beleuchtete Festival sieht von hier oben aus wie eine Kleinstadt.
Gehen wir rein in den ersten Tag
Mittwoch .01.07.2026
Auf diese Band freue ich mich wirklich wie ein Dino Nugget. Die Heavysaurus dürfen das Rock Harz 2026 eröffnen. Ursprünglich aus Finnland gibt es aber auch einen deutschen Ableger. Die Mission der vier Dinosaurier und des Drachen ist klar formuliert. Zu verhindern das eure Kinder später Helene Fischer hören. Der Bereich unmittelbar vor der Bühne ist noch einmal extra abgesperrt und nur für Kinder zugänglich. Hier sollen sie ganz unter sich sein ohne Sichtbehinderungen durch Erwachsene. Diese stehen dann hinter dem dafür aufgebauten Wellenbrecher. Sogar eine Horde T-Rex hat sich seitlich vor der Bühne versammelt. Ja die Texte sind auf Kinder zugeschnitten. Aber dennoch sind Songs wie „Kaugummi Ist Mega“ oder „Pommesgabel“ einfach Banger. Und auch soziale Themen kommen nicht zu kurz. Denn Mr. Heavysaurus klärt uns alle noch einmal auf. Es ist vollkommen egal ob du schwarz, weiß, grün, ein Dino oder ein Drache bist. Wir sind alle gleich viel Wehrt. Gut Gebrüllt Dino!
Mit der nächsten Band ist allerdings der spaß vorbei. Harakiri For The Sky sind die Vertonung einer Depression. Das ist nicht mal irgendein Marketing Spruch. Den das Kern Duo der Österreichischen Post Black Metaller schreibt die Songs tatsächlich während Depressiver Episoden. Das Bühnenbild besteht aus einem Grauen Triptychon und einem beleuchteten Bandlogo, welches ein wenig an das NYHC Logo erinnert. es ist auch das einzige Element das optisch Farbe in den tristen Bühnenaufbau bringt. Die Herbstliche Atmosphäre der Songs lässt es selbst Anfang Juli eiskalt werden.
Petri Lindroos Take One: Ensiferum einzuordnen ist nicht unbedingt leicht. Das Rock Harz hat sie in ihren Line up Wochen auf Youtube zum Viking/Pagan Metal sortiert. Doch eigentlich sind sie ehr eine verkappte Melo Death Band mit Wikinger Lyrik. Und diesen ballern sie auch ambitioniert von der Dark Stage hinab ins Publikum. Bassist Sami Hinkka ist dabei wie immer der Aktivposten. Interessant ist aber auch dass mehr und mehr Keyboarder Pekka Montin selbiges gegen das Mikro austauscht. Das er für die backing Vocals zuständig ist, ist nichts neues, das waren seine Vorgängerinnen auch. Aber das er ganze Songpassagen klar singt und damit die Growls von Petri kontrakarikiert ist erst mit seinem einstig möglich geworden. Und BTW Songs wie „In My Sword I Trust“ funktionieren live wesentlich besser als auf Platte.
Ironischerweise nicht auf der Dark Stage sondern der Rock Stage melancholieren Paradise Lost vor sich hin. Das dort nicht viel auf der Bühne passiert ist bekannt, weshalb ich auch am Bierstand für ne Mass anstehe. Der Sound ist aber so dermaßen Perfekt und die Band musikalisch über jeden Zweifel erhaben dass ich in der Bierschlange gerade die Zeit meines Lebens habe. Eben weil ich nichts optisches verpasse kann ich mich voll der Musik hingeben und vibe und spiele Luft Schlagzeug dass die umstehenden Menschen denken müssen ich habe eine Kern Beeinträchtigung. Mit nem vollen Liter Bier stehe ich dann aber auch noch vor der Bühne und hier wird eins klar. Gitarrist Aaron Aedy scheint in der falschen Band zu spielen. Denn ähnlich wie ich gerade noch am Bierstand, hat der Mann einfach zu gute Laune für das was er da spielt. Unteranderem „As I Die“ welches laut Nick Holmes in der Eurovision Song Contest Version gespielt wird (Die Band hatte allerdings nie an einem ESC oder am Vorentscheid dafür teilgenommen). Auch das Bronski Beat Cover „Small Town Boy“ wird gespielt. Manche halten es für überflüssig aber ich stehe einfach auf Metal Cover von Popsongs. Zum Ende muss ich mich dann aber noch einmal bei Gregor Mackintosh entschuldigen. In meinem Rock Hard Review schrieb ich noch das ich es schon schade finde das er sogar im Spotlight einfach nur seine Riffs runter zockt. Zu diesem Zeitpunkt war mir allerdings noch nicht klar dass der Mann an einer irreversiblen Erkrankung leidet die es ihm auch einfach schlicht unmöglich macht mehr als sein Instrument auf der Bühne zu spielen. Um welche Krankheit es sich dabei genau handelt ist mir allerdings nicht bekannt.
Mutter der Mann mit dem Kilt ist da. Der passionierte Schottenrock Träger Zakk Wylde hatte über die Jahre viele Nebenschauplätze. Ob als Gitarrist für Ozzy oder in der aktuellen Pantera Besetzung. Heute tritt er mit seiner eigentlichen Hauptband Black Label Society auf. Das Set setzt auf die harten aber eingängigen Songs. Statt der Balde „In This River“ gibt’s mit „Stillborne“ und „Suicide Messiah“ die schweren Brocken. Und auch eine Verbeugung vor seinem ehemaligen Freund und Arbeitgeber, dem Fucking Prince of Darkness, ist mit „No More Tears“ ein Platz in der Setlist gewährt.
Mit Sieben Musikern sind Helloween schon fast eine Big Band (Der Status ist ab 9 Musikern gegeben). Man startet mit „March Of Time“ in das Set. Das ist zum einen ein klares Statment zur eigenen Geschichte der Band. Aber auch sehr selbstbewusst, mit einem der größten Hits in das Set zu starten. An denen fehlt es auch gar nicht. Mit „Halloween“, „I Want Out“ oder „Dr. Stein“ sind genug Klassiker im Set. Auch die Bühnen Produktion macht einiges her. Zwar wird hier ausschließlich auf LED Wände gesetzt, diese werden aber recht Stielvoll eingesetzt und sorgen für mehrfache Szenenwechsel (Etwa eine friedhofsähnliche Gestaltung oder auch mal eine Slot Machine). Doch irgendwie will bei mir der Funke nicht ganz überspringen. Irgendetwas fehlt was ich persönlich aber nicht benenne kann. Ähnlich geht es aber wohl auch einigen meiner Mitcamper wie ich später erfahre.
Anders sieht das beim heuteigen Late Night Act aus. Die Südstaaten Rednecks aus Finnland Steve `N` Seagulls sorgen für ordentlich Alarm in der Crowed. Ihr Schwarzbrenner Image verbunden mit der Tatsache das sie Rock und Metal Klassiker wie etwa, „The Number Of The Beast“ oder „The Trooper“, beide natürlich von Iron Maiden, auf Instrumenten wie dem Banjo, dem handgezupften Kontrabass, Akkordeon und anderen Südstaatlichen Folkloreinstrumenten wiedergeben, ist dabei so absurd wie unterhaltsam. Der Perfekte Abschluss für den ersten Tag.
Donnerstag 02.07.2026
Nach ein wenig Leerlauf am Vormittag startet mein Programm am frühen Nachmittag. Auf dem Infield bekomme ich noch ein wenig mit wie Mittel Alta das Digimon Intro der ersten Staffel zerflücken. Gleiche Melodie neuer Text. Wer`s Braucht.
Hagane nicht zu verwechseln mit Hanabie (wie es mir auf meinem Instagram Kanal passiert ist) kommen aus Japan. Orientieren tun sie sich musikalisch aber sehr am europäischen Power Metal. Wie hoch der Kitschfaktor dabei ist kann ich aber auf Grund der Sprachbarriere nicht sagen. Den die Texte sind fast ausschließlich auf japanisch. Die Bühnen outfits der vier Musikerinnen sind allerdings für westliche Metal Fans sehr exotisch. Irgendwo zwischen Genshin Impact Character und Maid Cafe, aber authentisch. Es wirkt weniger wie ein Cosplay als wirklich zum Geschehen passend. Dazu sind alle Vier Frauen herausragende Musikerinnen. Eine rein zusammen gecastete Idol Band haben wir hier definitiv nicht.
Das kann man über Dogma leider nicht sagen. Der Band hängt der Ruf nach ein reines Casting Projekt zu sein. Das ist doppelt traurig da sich die Band nicht nur in einer Szene bewegt die auf Authentizität setzt, sondern auch Female Empowerment predigt. Zuletzt sollen sogar Musikerinnen schlichtweg ausgetauscht worden sein. Unter den starken Makeup Masken und den Nonnen Hauben hoffte man wohl dass dies unbemerkt bleibt. Die Identitäten der Musikerinnen ist nicht weiter bekannt. Auch nicht die Herkunft. Vermutet wird das sie aus dem Lateinamerikanischen raum kommen. Aber nun zum Gig. Optisch sehen die fünf Frauen ehr nach Black Metal aus. Musikalisch bietet man hier modernen Power Metal mit Texten die allerdings viel blasphemische und Anti – religiöse Thematiken enthalten. Zudem setzt die Band sehr stark auf Laszivität. Sowohl die knappen Bühnen Outfits als auch die Bewegungen der Frauen sind stark sexualisiert. Das stört im Kontext der gotteslästerlichen Texte soweit auch gar nicht. Das sich die Gitarristin mit ihrem Instrument mehrfach zwischen den beinen reibt….kann man machen. Allerdings verstehe ich in diesem Zusammenhang die Thematik mit dem Female Empowerment nicht so ganz. Das machen Bands wie Witch Club Satan da deutlich besser, die zwar teilweise ihre Shows nackt spielen, das aber im Kontext dazu setzten das der Weibliche Körper eben kein reines Sexobjekt ist. Hier hingegen habe ich stark das Gefühl das vielleicht einige sogar mit der Erwartung, die Musikerinnen könnten sich ja doch noch Ausziehen, vor die Bühne gekommen sind. Das Madonna Cover von „Like A Prayer“ ist aber zugegebenermaßen geil. Und bei aller Kritik ist die Show wenigstens noch unterhaltsam und die Musik generell gut gespielt. Auch dass sich die Frontnonne die Mühe gemacht hat einige Ansagen in, zwar brüchigem aber dennoch verständlichen, deutsch zu machen. Will ich hier nicht unerwähnt lassen.
2019 spielten Children Of Bodom zum letzten mal auf dem Rock Harz. Im selben Jahr löste sich die Band auf und Frontmann Alexi Laiho verstarb 2020 an einer Mixtur aus Alkohol und Medikamenten. Warman waren schon zu C.O.B. Zeiten ein Side Project von Keyboarder Janne „Warman“ Wirman. Nach dem Tod von Alexi adaptierte die Band den Sound der ehemaligen Hauptband und holte sich mit Eniferum`s Petri Lindroos einen mehr als fähigen Fronter. Tags zuvor noch mit seiner eigentlichen Hauptband in Fell und Leder gekleidet, steht Lindroos jetzt in schwarzen Cargo Hosen und Cannibal Corps Shirt auf der Bühne (Selbiges Outfit trug er auch schon ein Wochenende zuvor beim Rock Am Härtfeldsee). Der finnische Melo Death im Stile von eben Children Of Bodom ist so prägnant wiederzuerkennen das selbst einer meiner Mitcamper der die Band und ihre Geschichte nicht kannte sofort an die Bodoms Kinder dachte. Songs wie „We Are Here For None“ sind Banger. Der größte Banger wird aber zum Schluss rausgehauen. Children Of Bodom sollen 2027 wieder auferstehen. Rock Harz ihr wisst was ihr zu tun habt.
Von Finnland nach Polen. Auf der Dark Stage ballern sich Decapitated durch den Harz. Die Jungs sind als Ersatz für die ausgefallenen Kataklysm (In der Konsequenz dann natürlich auch Ex Deo) aufs Billing gerutscht. Dafür bekommen wir jetzt Progessiv Death Metal der eigentlich kein Progressiv Death Metal ist. Die Band setzt weder auf Groove, noch auf Slam oder gar Tech. Stumpfes Geballer ist es aber auch nicht. Während das Schlagzeug sich immer ein wenig monoton durchs Gemüse bollert, spielt Gitarrist Waclaw „Vogg“ Kieltyka dazu Melodien die so im Death Metal eigentlich unüblich sind. Und genau das macht diese Band aus.
Hier kommt Alice / Vorhang auf für seine Horror Show. Alice Cooper hat die 70 schon lange überschritten. Dennoch wird der bekannteste Vilen der Rock Geschichte kein bisschen Altersmilde. Seine Show profitiert auch von dem Effizienten Einsatz der Vidowand im Hintergrund. Dadurch wird das Bühnen Geschehen nicht nur für die hinteren Reihen deutlich besser Sichtbar. Das ganze wird auch noch stilvoll wie ein altes gerahmtes Gemälde präsentiert. Dazu gibt es die bekannten und beliebten Bühnenstunts. Viktor Frankensteins Labor + Monster zu „Feed My Frankenstein“, Guillotine, die Misshandlung eines Stagehands und die Enthauptung des Anti Helden Alice himself. Dazu natürlich seine üblichen Klassiker. „No More Mister Nice Guy“, Hey Stupid“, „Poison“ und natürlich „Schools Out“ mit einer „Another Brick in The Wall“ Einstreuung als Endpunkt des Regulären Sets. Als Zugabe gibt es überraschenderweise den Nirvana Klassiker „Smells Like Teen Spirit“ Kurios!
Eigentlich sollten jetzt Dominum den Late Night Slot spielen. Doch sie haben mit Hämatom getauscht weswegen Dominum bereits um 20:35 Uhr auf der Bühne standen. Hämatom haben zudem ein kleines Problem. Teile ihrer Produktion konnten nicht aufgebaut werden. Das liegt am starken Wind der hier im Harz nicht unüblich ist und auch schon den gesamten Tag über ordentlich bläst. Somit gibt es zumindest optisch eine Light Version ihrer Show. Allerdings habe ich die Band schon am Wochenende zuvor beim Rock Am Härtsfeldsee gesehen, und bin zudem kein so großer Fan ihrer Musik. Ich hole mir noch was zu essen und gehe dann in Richtung Camp. Beim verlassen des Infields stoße ich dann auf den eigentlichen Headliner des Tages. Rock Harz Stammgäste kenne diese Band nur zu gut, die während der Gesamten Woche über den Campground schlawinert um immer und immer den selben Song zu spielen. Die Cantina Band hat sich vor dem Infield auf einigen der dort drapierten Baumstämme positioniert. Dort spielen sie den, Aus Star wars Episode IV bekannten Catina Band Song und sind gefangen in ihrem eigenen Loop. `Dankeschön wir sind die Catina Band wenn ihr Songwünsche habt ruft sie einfach. Spielt den selben Song nochmal! Alles klar den selben Song und los` (Das ganze beruht auf einer Family Guy Parodie mit dem Titel Blue Harvest). Während sich ein Circle Pit um die Musiker bildet und diese mit Bier, das ihnen von ihren Fans ausgegeben wird, versorgt werden kommen auch immer weitere Personen mit „Musikinstrumenten“ dazu. Zur Kernband die mit Melodica und Kazoo immer und immer den selben Song spielen, gesellen sich auch noch weiter Kazoo Spieler und ein Typ zieht sogar eine der Laubtonnen als Perkussion mit ran. Nachdem ich gut 17 Runden mit gekreiselt bin unternehme ich noch eine Nachtwanderung über den Campground und grase einige befreundete Camps ab. Nachdem ich gut eine Stunde über den gesamten Campground gewandert bin und aus Spaß noch mal nach der Cantina Band schaue, spielen dies tatsächlich immer noch. Selbst Hämatom sind zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Set schon eine Stunde durch. Respekt. Aber gegen 02:00 Uhr beschließe ich dann auch mal ins Zelt zu fallen. Gute Nacht.
Freitag 03.07.2026
Es wird ein ruhiger Vormittag für mich. Immerhin ist heute Casuel Friday, was bedeutet das die Security und auch teilweise Fotografen heute in Hawaiihemden arbeiten. Erst kurz vor 13:00 Uhr begebe ich mich aufs Infield. Motorjesus sind gerade dabei Bierdosen ins Publikum zu feuern. Meiner Erfahrung nach handelt es sich dabei aber eh nur um Paderborner Pils. Andererseits: Ein geschenktes Bier trinkste auch vor vier….oder so: Während die Jungs noch ihren letzten Song „Motor Disziplin“ unverbleit ins Publikum jagen, warte ich an der Dark Stage auf Cypcore. Ich hatte die Band schon einmal vor ein paar Jahren auf dem Rock am Härtsfeldsee gesehen und nicht gerade in guter Erinnerung behalten. Damals sagte mir das ganze so gar nicht zu. Durch die Rock Harz Line Up Wochen auf Youtube bin ich aber wieder aufmerksam auf die Jungs geworden, als sie dort in die Kategorie Melodic Death Metal / Metalcore eingeordnet wurden. Und ja das ganze trifft es ziemlich gut. Es gibt sie die Melo Death Momente. Meistens ist es dann aber doch Metalcore, allerdings wirklich guter Metalcore. Dazu kommt die geile Bühnenoptik der Mannheimer. Die Outfits sind nichts weniger als Körperpanzer aus Motorcross / Eishockey/ Football und dementsprechende Bein und Armschienen. Alles im used Look und mit orangenen LED Leuchten auf der Brust. Jedes der vier Bandmitglider hat dabei eine individuelle Beleuchtung die den Rang bzw die Funktion des Mitgliedes repräsentiert. So ist der Mann am Mikro der Commander, die beiden Gitarristen sind als Alichimist und Mechanic gekennzeichnet und der Mann an den Drums trägt die Kennung Ex09. Er scheint wohl wortwörtlich eine Drummachine zu sein, ein Cyborg in dieser Lore. Apropos Lore. Diese erzählt uns davon dass es sich hier um Soldaten in einer Postapokalyptischen Cyber Punk Dystopie handelt. Frontmann Dominic „Commander“ Christoph hat für den authentischen Look sogar sein Mikro verkabelt. Das ist schon ein nettes Detail wenn man bedenkt das fast alle Bands mit Funkmikro spielen. Auf einen Bassisten verzichtet man ebenso wie auf einen Keyboarder. Das finde ich persönlich etwas schade da so etwaige Sounds und Zusatzinstrumente vom Band kommen. Dennoch macht der Gig Spaß und die Musik wird, abgesehen von den krassen Kostümen, relativ schlicht aber effektiv präsentiert.
Offenbar habe ich die Kontrolle über meinen Time Table verloren. Denn ich sitze gerade, nach Cypecore, im Camp und wundere mich über die Abwesenheit eigentlich aller. Als ich mir gerade was zu trinken einschenke und dann doch noch mal auf den Spielplan schaue fällt mir auf dass ich komplett in der Zeit verrutscht bin und gerade Hiraes auf der Rock Stage spielen. Gut das wir so nahe am Infield dran sind. Ein kurzer Sprint quer über die Plaza und ich bin vor der Bühne. Gerade noch Rechtzeitig um zu sehen wie Frontfrau Britta sich mit Gitarrist Lukas von der Bühne runter begibt und sich beide mitten ins Publikum stellen und dieses zu „We Owe No One“ um sich herum kreiseln lassen. Es ist zwar etwas schade das die Band ohne Backdrop spielt, was wahrscheinlich dem Wind geschuldet ist. Aber das tut dem ganzen keinen Abbruch. Stattdessen gibt´s Abriss.
Jetzt hab ich allerdings dann doch ein bisschen Leerlauf. Was tut man da? Ballerbrause gegen den Uhu, Klappstuhl an den Hauptweg gestellt und Leute gucken. Und diese Sidequest hat es in sich. Das gelegentliche zuprosten mit anderen Campern ist gute Erziehung. Der Typ der sich dann aber einfach neben mich setzt und mir von seinem innigen Hass gegenüber E-Bikes für Kinder erzählt, ist ne Nummer für sich. Aber dafür kommt der nächste Dude mit einem Fleischspieß an den er mir schenkt. Er hat sich zwei gekauft, war aber mit dem ersten schon so überfordert dass er den zweiten lieber mir geben wollte anstatt ihn weg zu schmeißen. Geil Gratis Mittagessen. Neue Bekanntschaften hat man auch schnell gemacht und so gehts in ein neues Camp mit lecker Bierchen. Jetzt aber mal wieder an die Bühne.
P.O.D. (Steht für Payabel On Death) sind eine dieser Christlichen Bands denen du nicht anmerkst das sie christlich sind. Die Jungs aus San Diego verbinde ich als Wrestling Fan natürlich mit dem, ebenfalls aus San Diogo stammenden, Amerikanisch/Mexikanischen Luchadore Rey Mysterio, für den sie mit „Booyaka 619“ einst den Entrencesong schreiben, der natürlich nicht auf der Setlist steht (Weil die WWE alle Rechte an dem Stück hat). Dafür startet man aber direkt mit einem Knall, oder in englisch „Boom“. Das die Band, nicht nur mit ihrem Sound, sondern auch ihrer Attitüde dermaßen in den 00er Jahren hängen geblieben ist, macht den Charm des ganzen aus. Frontmann Paul „Sunny“ Sandoval hat sich ein knall rotes Kabel ans Mikro geklemmt. Das ist Nu Metal der 2000er in Reinkultur. Interessant ist hierbei auch dass er das Wort `Suicide` in „Youth Of The Nation“ nicht ausspricht. Ob er sich damit selber zensiert weil er an amerikanische Verhältnisse gewöhnt ist weiß ich nicht. Aber es setzt ein trauriges Zeichen. Denn auch 2026 ist das Thema Selbstmord und die Gründe die zu dieser Entscheidung führen, im Konsens der Gesellschaft, immer noch ein Tabu. Vielleicht ist dass auch die Message dahinter.
Als Kind hatte ich einen Freund dessen Bruder sehr viel Subway To Sally gehört hat. Das Liedgut der Gothic/Mittelalter Band ist mir daher geläufig obwohl es nicht zu meinen üblichen Hörgewohnheiten zählt. Aber gerade bin ich einfach mit den richtigen Leuten vor Ort und der Slot im Sonnenuntergang ist eigentlich wie gemalt für eine Band die so sehr auf Romantik setzt. Selbst in Songs deren Inhalt nicht romantisch ist. Wie etwa das über Kindesmissbrauch handelnde „Kleid Aus Rosen“.
Weniger romantisch sind die Australien angereisten Airbourne. Das die Jungs straight auf den Spuren ihrer Landsleute von AC/DC wandeln ist bekannt. Frontschwein Joel O’Keeffe rast mit samt Gitarre über die Bühne, steht irgendwann schon fast auf der benachbarten Rock Stage und hat immer noch seine Luftwarnsirene am Start, die ehr mit Handkurbel aufheulen lässt, während er ne Büchse Bier wegschnabuliert und sich den Rest am Kopp zerkloppt wie einst der Sandmann bei ECW. dazu banger wie „Too Much, Too Young, Too Fast“, „Running Wild“ oder „No Way But The Hard Way“. Geil!
Das gilt auch für den heutigen Headliner. Hinter einem Vorhang verbirgt sich die Bühnenlandschaft von Kreator. Die Produktion der Essener kann mittlerweile locker mit der von z.B. Iron Maiden mithalten. Der Drumriser ist die gehörnte Stirn eines Dämons, Hinter diesem ist auch ein ebenso Dämonisches Gesicht mit leuchtenden Augen zu sehen. Dazu tauchen während des Sets immer mal wieder Statisten auf. Egal ob Schwarz Vermummte Demonstranten mit Bengalos zu „Hate Über Alles“ oder Fackelträger die Mumienähnliche Gestallten an Galgen hängend anzünden. Selbst Mille taucht zu „Enemy Of God“ mit schwarzen Engelsschwingen am Rücken auf. Der Bühnenrand steht zeitweise komplett in Flammen. Auffallend ist das gerade die erste Hälfte des Sets von Songs aus diesem Jahrtausend geprägt ist. Zu „Tränenpalst“ taucht dann auch Britta Görtz noch einmal zu einem Gastauftritt auf. Damit hat sie in zwei Jahren mit drei verschiedenen Bands auf dem Rock Harz performend (Im Letzten Jahr vertrat sie Marcus Bischoff bei Heaven Shall Burn als dieser unter Stimmproblemen litt). Die Zweite hälfte wird dann ehr von den Klassiker, wie „Violent Revolution“, dominiert. Da Blut keine gute Option und Mille sowieso bekennender Veganer ist, gibt’s halt rote Luftschlangen (Im Englischen auch als Streamer bekannt) die einmal quer übers Infield geschossen werden. So geht Thrash Entertainment!
Die danach spielenden Saint City Orchestra waren schon am Härtsfeldsee nicht meine Baustelle. Ich flaniere noch mit meiner Begleitung etwas über den Metalmarkt, dessen schiere Auswahl man sich nicht vorstellen kann. Von Bandmerch wie Patches, Hoodies und Shirts, über Sonnenbrillen, Fetischspielzeug und Funshirts gibt’s hier alles. Währenddessen hören wir aber auch noch das Geschehen auf der Bühne. Und mittlerweile wird mir eins klar. Als Irish Folk Band ist es wohl Pflicht entweder „Whisky In The Jar“ von den Dubliners, oder wie in diesem Fall, „Rose Tattoo“ von den Dropkick Murphys zu Covern. Gute Nacht.
Samstag 04.07.2026
Es ist der letzte Tag des Festivals. Moritz Hempel genannt `Mutz` ist nicht nur der Stage Manager des Rock Harz. Er ist auch Gitarrist und Shouter der Thrasher Drone. Der deutschen Version von Machine Head. Das wird auch direkt von Sekunde eins an klar. Moderner Thrash Metal auf dem Punkt gespielt. Kreiselgarantie mit inbegriffen. Das geschmackvolle Backdrop besteht einfach nur aus dem Bandnamen dessen Buchstaben auf fünf separate Stoffbahnen gedruckt wurde. Sieht nice aus. Zudem macht Mutz noch eine neue Sidequest auf `Support your local Käsedöner`. Und Meine Fresse hat der Mann damit Recht. Mehr Käsedöner braucht das Land (Hierbei wird das übliche Lammfleisch einfach durch am Drehspieß gebratenen Käse ersetzt. Geil!) Als Abschluss Gag lässt sich die Band beim letzten Stück von der Security abführen (Wir erinnern uns Mutz ist auch der Stage Manager), was erstaunliche Ähnlichkeit zum Dust Bolt Musikvideo „Ghost In My Screen“ hat.
Die, nach einem mittelmäßigen Maiden Song benannten, Britten von Tailgunner lassen ihere Liebe zu den Eisernen Jungfrauen sehr offensichtlich durch scheinen. Nicht nur der Name macht das deutlich. Auch die Songstrukturen, die Melodien und das Auftreten von Bassist Thomas Hewson, der offenbar die Steve Harris Academy For Right Posing With The Bass On Stage besucht haben muss. Frontmann Craig Crains hat die Bodenplatte seines Mirkofonständers in einen riesigen Tailgunner Schriftzug formen lassen und post damit über die Bühne. Aber auch hier fällt die Abwesenheit von Gitarristin Rhea Thompson auf. Mittlerweile ist allerdings wohl klar dass sie die Band aus mehreren Gründen verlassen hat. Schade! Edit: Mittlerweile sind mehr Details bekannt. Rhea erhebt schwere Vorwürfe der Sexuellen Gewalt gegenüber Bassist und Bandchef Thomas Hewson. Harter Tobak!
Die Brasilianerinnen Crypta, die anteilig aus ehemaligen Nervosa Mitgliedern bestehen, hauen uns jetzt auf der Dark Stage ne ordentliche Ladung Death Metal in die Schnauze. das tuen sie auch ganz ordentlich und ohne weitere Schnörkel.
Selbiges gilt auch für die Dänen von Artillery. Ihr Thrash Metal hat auch immer eine leicht hardrockige Seite. Als Opener spielt man „Into The Universe“ gefolgt von sechs weiteren stücken. Darunter „Face Of Fear“ oder auch „Ghost In The Machine“ Die Jungs sehen optisch aber auf Grund ihrer Kleidung ein wenig wie eine Altherren Hobbyband auf dem Stucken Borsteler Stadtfest aus. Trotzdem guter Gig.
Es wurde bereits im Vorfeld kommuniziert. Finntroll´s Frontmann Mathias „Vreth“ Lillmåns wird nicht auftreten können. Der Mann leidet unter akuter Schlaflosigkeit. Als Ersatz hat man sich einfach einen anderen Mahttias geholt. Nämlich Mahttias Dalswe von den norwegischen Black Metaller Valvid. Der Macht seinen Job auch echt gut. Barfuß in zerrissenen schwarzen Jeans und oben ohne, mit einem Mikrofonständer der mit Hörner bestückt ist, mimt er den Obertroll. Mit Stücken wie „Solsagan“, mit dem man sogar eröffnet, oder dem Klassiker „Trollhammaren“ wird der Pit am dauerkreiseln gehalten. Was allerdings irgendwann auch mal ein bisschen nervig wird. Seis drum Trolle trollen halt.
Es ist manchmal schwer zu glauben. Aber Doro tritt tatsächlich auch auf Festivals auf die keinen Brennenden Kuhschädel zwischen den Bühnen hängen haben. Eigentlich warte ich auf die danach spielenden Knorkator. Aber ein Teil des Sets nehme ich dann doch noch mit. So z.B. ihre Power Ballade „Für Immer“ oder auch das unvermeidliche „All We Are“.
Deutschlands Meiste Band Der Welt, Knorkator wandeln immer ein wenig zwischen intelligenter Sozial Satire und kompletten Nonsens. Relativ zu Beginn des Sets holt sich Fronthampelmann Stumpen erstmal alle Fotografen auf die Bühne. Hier sind wir dann beim angesprochenen Nonsens. Aber das erwartet man ja auch von einer Knorkator Show. Songs wie „Alter Mann“ gehen auch immer. Mit Stücken wie „Eigentum“ oder das fast schon existenziell hinterfragende „Warum“ bei dem Stumpens Tochter seinen Gesangspart übernimmt sind dann die angesprochene oft doch sehr scharfe Gesellschaftssatire. Damit es aber nicht zu intellektuell wird übernimmt Alf Ator´s Sohn mit seinem Death Metal Organ mal eben den Song seinen Vaters „Böse“. Zum Abschluss singt der Ballenstedter Besoffenenchor (Das Publikum für alle die es nicht verstehen) noch einheitlich „Wir werden (Alle Sterben)“ und danach heißts „Zehne Putzen, Pullern Und Ab Ins Bett“.
Naja nicht ganz. Vorher stehen noch die norwegischen Black Metal Mitbegründer Emperor auf der, passenderweise, Dark Stage. Mit dem „Nightside“ Intro und „Into The Infinity Of Thoughts“,vom legendären „In The Nightside Elcipse“ Album, geht’s rein in das Set. Emperor zeichnete schon immer eine gewisse Komplexität in ihren Songs aus gemessen an so einigen ihrer Genre Kollegen. Die Bühnengestaltung ist schlicht aber effektiv. Ein Stimmungsvolles Backdrop, dazu dunkle lichtfarben, passt! Nach „Inno A Satana“ läuft „Opus A Satana“ als Outro aber quasi auch als Intro für die Zugabe „Ye Entracemperium“ bevor „The Wanderer“ endgültig also Outro das Ende bekannt gibt.
Der Komplette Kontrast findet nun auf der Rock Stage statt. Irgendwie ist es ja eine kleine Tradition vom Rock Harz mindestens einen Headliner mit Bezug zum Mittelalter zu haben. In diesem Fall übernehmen das Feuerschwanz und laden zur Party in the „Knightclub“. Dazu tanzen die Schildmaiden mit Fackeln und auch „Das 11. Gebot“ wird ausgerufen. Doch zwischendurch wird die Band auch einmal etwas ernster. Prinz „Hodi“ Hodenherz spricht nun nicht in seiner Bühnenpersona zu uns sondern als Ben Metzner. Der letzte Gig der Band auf dem Rock Harz ereignete sich nur einen Tag nach der Beerdigung seiner Mutter. Er erzählt dass er trotzdem das Konzert spielen wollte und dies sogar brauchte da ihm die Stimmung während des Gigs wirklich gut tat. Auch Gaukler sind nur Menschen. Doro Pesch lässt sich für einen Gastauftritt ebenfalls blicken. Da ich die Band aber schon gut eine Woche zuvor gesehen habe, und sie auch wirklich nicht meinen Geschmack trifft, stehe ich zu diesem Zeitpunkt schon an der Dark Stage für den letzte Gig des Festivals.
Soen konnten mich schon im letzten Jahr auf ihrer Tour mit Dark Tranquillity überzeugen. Ihre Mischung aus melancholischen Melodien und progressiven Elementen löst etwas in mir aus. Aber der Gig der Schweden verzögert sich noch etwas. Der Grund dafür wird leider nicht kommuniziert. Egal. Als es dann losgeht ist es mir auch Stulle dass ich eigentlich schon komplett übermüdet bin. Mit „Antagonist“ hat die Band einen Song in der Setlist dessen Text zwar das reine Böse der Welt widerspiegelt, doch durch die Melodien und vor allem Joel Ekelöf´s Gesang so viel Weltschmerz vermittelt, das es zu tränen rührt. Wort wörtlich. Es ist der perfekte Soundtrack für meine Post Festival Depression und der perfekte Abschluss eines Festivals dass seit Jahren stehts bemüht ist Jahr für Jahr die Festival Expirience für seine Besucher zu verbessern.
Seien es die Anfahrtswege zum Gelände, die Ausstattung und Inklusion für Menschen mit Beeinträchtigungen oder das stehts geschmackvolle Line Up das von purem Nonsen Party Abriss bis zu hoher Genrekunst einfach alles abdeckt. Tradition, Extreme, Fun. Alles da. Das wissen auch die Fans zu schätzen die es geschafft haben das Festival binnen drei tagen auszuverkaufen. Made Of Metal, Beer and Best Friends ist hier nicht nur ein Slogan. Kompliment auch an alle Fans die das Gelände so sauber hinterlassen haben, das schon wenige Stunden nach der Abreise das erste Flugzeug auf dem Flugplatz landen konnte. Bis nächstes Jahr. See You At The Devils Wall. und Cheers.
PS: Bands für 2027 die bereits bestätigt wurden sind bisher: Accept, Alestorm, All For Metal, Arch Enemy, Bruce Dickinson, Coppelius, Dartangnan, Dust Bolt, Eisbrecher, Emilbulls, Equilibrium, Grave Digger, Gutalax, Gwar, H-Blockx, Handgemeng, Igel VS Shark, Katerfahrt, Korpiklaani, Lord Of the Lost, Marduk, Metal Church, Nestor, Setyoursails, Skald, Tankard, The Sisters Of Mercy, Storm Seeker und Turbobier.
