Rock Am Härtsfeldsee 2026

26.06.26 – 27.06.26 Härtsfeldsee Dischingen

Wieder ist ein Jahr vorbei und wieder geht es knapp 500 Km gen Süden. Das Pressluftzelt lockt wieder mit einem vielfältigen Lineup + Gratis Sauna inklusive. Den Oh Boy staut sich die Hitze in dem Ding.

Auch für uns ist in diesem Jahr einiges anders. Wir haben eine neue Unterkunft ein paar Ortschaften weiter. Wir teilen uns ein große Ferienwohnung, die aber leider im Dachgeschoss liegt. Etwas suboptimal bei den Temperaturen. Aber dafür gibt’s Kollege Deckenventilator, Mitarbeiter des Monats würd ich sagen, und sogar eine Bühnenwindmaschine mitten im Raum. Der Kühlschrank wird mit Bier bestückt. Beste Leben.

Mit Taxi Gruber geht’s, wie jedes Jahr, direkt zum Festivalgelände. Das hat zwar noch nicht auf, aber auf dem Campground gibt’s auch ne Bierbude also Prost. Nach Öffnung geht direkt an den Merch Stand. Das Festivalshirt gibt’s für 25€. Da werd ich jetzt nicht feilschen. Bierchen geholt und ab vor die Bühne.

Freitag 26.06.2026

Auch auf dem Infield hat sich etwas verändert. Das Bier! Wurde all die Jahre zuvor noch das lokale Härtsfelder ausgeschenkt, hat man nun die Brauerei gewechselt. Zur ebenfalls regionalen Flötzinger Brauerei. Diesen Namen verbinde ich zwar primär mit einem Klempner aus Niederkaltenkirchen. Aber schmecken tut das Brauwerk.

Seven Blood eröffnen um 17:30 Uhr das Festival mit einer Melange aus Modern Metal, der mich an einigen Punkten schon etwas an die Farmer Boys mit weiblichem Gesang erinnert. Dafür gibt’s bereits den ersten amtlichen Pit mit Jesus Beteiligung. Und da das Zelt sich schnell aufheizt erinnert uns ein Junger Mann mit seinem Schild an die FIFA genormte Trinkpause (Hydration Brake). Alle schnell nen Schluck Bier genommen und weiter gekreiselt. Während dessen macht die Dame auf der Bühne in ihrer Schulmädchenuniform weiterhin Alarm.

Seasons In Black bekomme ich zunächst nur von draußen mit. Dank Videoleinwand kein Problem. Der Grund ist dass ich zusammen mit Mama Inquisitor in der Autogrammschlange von The Halo Effect anstehe. Ja meine Mutter liebt die Musik von Bands mit Mikael Stanne. Als ich dem sympathischen Schweden, der trotz der Temperaturen in einer dicken schwarzen Jeans Jacke da sitzt, erzähle dass er der Grund dafür ist, dass meine Mutter Zugang zu härterem Metal gefunden hat, freut ihn das sichtlich. Autogramme geholt Foto mit Mikael inklusive. Geiler Typ! Zurück im Zelt sehe ich dann die bereits erwähnten Seasons In Black auch in the Flesh. Ihre Musik ist stark Death Metal beeinflusst aber enthält auch Keyboardspuren. Melodic Death Metal ist es allerdings noch nicht, auch wenn das Keyboard hin und wieder gegen eine Keytar ersetzt wird. Dazu gibt’s ab und an ein paar Funkenstöße der Pyrotechnik als Effekt. Nur der starke Bayrische Dialekt in den Ansagen macht das ganze unfreiwillig albern. Sorry aber die Sprache ist einfach kein Death Metal.

Es ist zwar Ende Juni. Aber trotzdem darfs ein bisschen April Art sein. Die Band in den roten Sportanzügen bezeichnet ihre Alternertive Rock/Metal Version als Sport Rock. Das macht auch durch aus Sinn. Denn Gerade Frontfrau Lisa-Marie Watz macht, in ihrem Adidas Sportdress ordentlich Kilometer auf der Bühne. Irgendwann sitzt sie sogar auf den Schultern eines Securitys und lässt den Pit um sich kreiseln. Stimmung an allen Fronten.

Meine Liebe zum Melo Death darf nun auch zur Geltung kommen. Vorhin noch sympathisch am Autoramme geben steht Mikael Stanne nun mit ehemaligen In Flames Musikern als The Halo Effect auf der Bühne. Immer noch in seiner dicken schwarzen Jeans Jacke. Der Mann ist Schwede wie geht das? Musikalisch ist dies hier eindeutig die bessere Version von In Flames, da man sich stilistisch klar an den Frühwerken der Schweden orientiert. Dabei gibt Mikael aber stehts auch seine eigene Note mit dazu. Statt durchgängig zu groweln wechselt er immer wieder in den Klargesang. Der Sound ist, bis auf die etwas zu sehr bollernde Bassdrum auch in Ordnung.

Als Hämatom das letzte mal auf dem Rock Am Härtsfeldsee auftraten, taten sie dies noch mit Bassist West. Sein plötzlicher Tod 2023 versetzte die Band in Schockstarre. Seit 2024 ist mit Rose eine zweite Gitarristin im Line Up. Der Posten des Bassisten bleibt vakant. Es ist heute die erste Show im neuen Line Up die ich von der Band sehe. Die Produktion ist tatsächlich gewaltig. Eine Art Arkham Asylm wurde hier auf die Bühne gezimmert. Im späteren verlauf wird diese sogar mit einem riesigen stahlkäfig in Hell in a Cell Optik verbarrikadiert. Bandklassiker wie „Wir Sind Gott“ oder das ihrem verstorbenen Mitglied West gewidmete „Gott Muss Ein Arschloch Sein“ sind die mir geläufigsten Stücke in der Setlist. Irgendwann wird Schlagzeuger Süd auch auf einem mini Schlagzeug Podest, das die Form eines Emojis hat, welches die Boomer Generation gerne mal mit einem Schokokuss verwechselt über das Publikum getragen. Durch die eindeutige Blaufärbung jenes Emojis ist die Fuck AfD Aussage mehr als deutlich. Haltung zeigen bleibt wichtig. Zum großen Finale übernehmen die Irren die Anstalt. Wort wörtlich. Einige als Pfleger (Oder Wärter?) verkleidete Kleinwüchse randalieren über die Bühne. Der Zaun wird stück für Stück auseinander genommen. Am ende eskalieren Hämatom noch mal komplett. Musiktheater auf ADHS.

Samstag 27.06.2026

Tailgunner haben sich nach einem Iron Maiden Song benannte. Zugegeben nicht gerade nach einem guten. Die Liebe zu Maiden kommt aber an allen Ecken durch. Die Melodiebögen der Gitarren und auch das Posing und die optische Darstellung ihres Bassisten Thomas Hewson sind Steve Harris pur. Auffallen ist aber dass es einen Besetzungswechsel gab. Gitarristin Rhea Tompson ist heute nicht anwesend und wird vertreten. Ob es sich hierbei allerdings um eine temporäre oder dauerhafte Vertretung handelt kann ich nicht sagen. Showtechnisch gibt’s auch einiges. Die Lightshow aus den Tiefsten 80ern. Oder auch der riesige Tailgunner Schriftzug den Sänger Craig Crains( was für ein Name) mal eben als Standfuß für seinen Mikroständer benutz, sind beeindruckend. Warum man die Hype Band der letzten Monate allerdings als Opener verheizt weiß ich nicht. Allerdings ist das Zelt Proppen voll. Die Zeltinsassen übrigens auch.

Mit Saint City Orchestra kommen wir zu einem Programmpunkt den ich mir besser in einem Irish Pub vorstellen würde. Ja ich bin nicht der größte Fan von Folk und Irish Folk. Gemütlich bei nem Guinness im Pub sähe das schon anders aus. Aber die Kombination aus Irish Folk und Punk Elementen zündet bei mir so gar nicht. Zu diesem Zeitpunkt ereignete sich allerdings eine kleine Sidequest die ich hier nicht unerwähnt lassen möchte. Bereits beim Betreten des Infields habe ich mir am Merchstand ein Warman Shirt gekauft (sämtliches Merch wird übrigens in Tüten des schon längst nicht mehr existierenden Quelle Versands, die Älteren werden sich erinnern, ausgegeben). In Zeiten in denen Bands gerne mal 40 Taken dafür verlangen sind 25€ echt ein Schnapper. Allerdings bezahle ich das ganze bar obwohl auch Kartenzahlung möglich ist. Das rächt sich jetzt, denn mir geht das Biergeld aus. Meine Begleitung kommt auf die Idee ob ich nicht am Merchstand fragen könnte ob ich das Shirt nachträglich noch mit Karte zahlen kann und dafür meine 25€ bar zurück bekomme. Fragen kostet ja nichts. Und hier mal ein Shout Out an die Merchcrew! Nicht nur dass diese das völlig umstandslos auch umsetzt, Mitveranstalter Markus steht in diesem Moment sogar hinter mir und sagt seinen Leuten im breitesten Schwäbisch, `Ja desch könnt a mache, desch der Inquisitor der isch Kreditwürdig`. Ich bekomme also mein Bargeld wieder, zahle noch einmal mit Karte, habe mein Shirt und Geld für frisches Bier. Geil!

Warman waren einst ein Nebenprojekt von Children Of Bodom Keyboarder Janne „Warman“ Wirman. Nach er Auflösung von C.O.B. 2019 und dem Tod von Alexi Leiho 2020 adaptieren die Finnen den Sound seiner einstigen Hauptband. Ensiferum Frontmann Petri Lindross übernimmt dabei den Part von Alexi als Gitarrist und Shouter. Anders als die Kollegen aus Schweden ist der finnische Melodic Death Metal allerdings nicht mit Heavy- sondern Power Metal angereichert. Songs wie „Here For None“ können den starken C.O.B. Vibe keines wegs verleugnen. Außerdem ist es cool Petri mal ganz leger in Cannibal Corpse Shirt und schwarzen Cargos zu sehen anstelle von Fellen und Lederbeinkleidern.

Beast In Black, nicht zu verwechseln mit Battle Beast, welche die Vorgänger Band von Sänger Anton Kabanen waren, verzichten auf den Death Metal und präsentieren uns reinen Euro Power Metal. Dabei wird mir als Musiknerd sehr schnell eines bewusst. Die Melodien der Finnen aus Helsinki sind nicht nur extremst eingängig, sondern irgendwie auch vertraut. Betreits beim Opener „Power Of The Beast“ habe ich das Gefühl Melodien der Cascada Version von „Every Time we Touch“ heraus zu hören. Dieses Gefühl des musikalischen Dejavu`s habe ich tatsächlich während des gesamten Auftritts der Band. Das sorgt natürlich aber auch dafür dass das ganze mega eingängig bleibt.

Die Sonne ist untergegangen wir gehen in den „Knight Club“. Feuerschwanz haben es tatsächlich vollbracht aus ihrer klamaukigen Nische bis in den Headliner Status mehrere Festivals auf zu steigen. Warum das so ist kann man ganz gut verstehen. Die Erlangener wissen wie sie Stimmung in die Butze bringen. Die Bühnenproduktion ist gewaltig und Songs wie z.b. „Das 11te Gebot“ sind eingängig genug um im Gedächtnis zu bleiben. Dennoch trifft das ganze Mittelalter meets J.B.O. Spektakulum nicht wirklich meinen Geschmack. Das man zum Abschluss auch noch den O-Zone Party Bomber „Dragostea Din Tei“ ins Publikum ballert, war zumindest für mich, zu viel des Guten. Allerdings gebe ich hier auch offen zu das ich nicht die Zielgruppe des ganzen bin. Also gibt’s noch ein Abschluss Flötzinger und damit steht auch das Rock Am Härtsfeldsee 2026 in den Geschichtsbüchern.

Es war mir wie jedes Jahr ein inneres Fußbad und die letzten Zeilen widme ich wie jedes Jahr dem Mann der uns einst auf dieses Festival Aufmerksam machte. Jörg Sandmann du fehlst. Cheers

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